Marktberichte Brennstoffe

Internationaler Markt

Preislich tut sich derzeit wenig am Ölmarkt. Trotz hoher Ausschläge beschrieb das Durchschnittsniveau in der letzten Woche sowohl beim Rohöl als auch beim Gasöl, dem Vorprodukt für Heizöl und Diesel, zwei nahezu horizontale Linien. Gleiches gilt für die geopolitische Entwicklung. Die an das Publikum gerichtete Kommunikation ist wuchtig, während diplomatische oder kriegerische Erfolge ausbleiben. Dazu ein aktuelles Beispiel:

Präsident Trump kündigte an, die Straße von Hormus nach einem US-Sieg über den Iran zu amerikanischem Territorium erklären zu wollen. Gleichzeitig rechtfertigte er höhere Benzinpreise als notwendigen Beitrag, um Iran am Bau einer Atomwaffe zu hindern. Irans Außenminister Araghtschi erklärte zuvor, dass im Juni keine auf 60 Tage begrenzte Feuerpause vereinbart worden sei. Die damalige Vereinbarung habe vielmehr darauf abgezielt, den Krieg grundsätzlich zu beenden. Deshalb sei aus iranischer Sicht auch keine 60-Tage-Frist vereinbart worden, die nun auslaufen oder verlängert werden könnte. Eine Entscheidung über neue Verhandlungen mit den USA sei noch nicht gefallen. Da die bisherigen diplomatischen Kanäle nicht mehr funktionierten, arbeite Teheran aber an einer neuen Übergangslösung für ein mögliches langfristiges Abkommen.

Unter Verzicht auf derartiges Geschwurbel lässt sich die Lage am Ölmarkt wie folgt beschreiben: Im Mittelpunkt steht die Straße von Hormus, durch die unter normalen Bedingungen rund ein Fünftel des weltweiten Ölangebots transportiert wird. Der Verkehr durch diese Meerenge ist drastisch zurückgegangen. Trotzdem ist der Weltmarkt bislang nicht in eine klassische Versorgungskrise geraten. Ein wichtiger Grund dafür ist neben alternativen Transportwegen die deutlich gesunkene Ölnachfrage.

Die Zahlen der US-Energiebehörde EIA zeigen das Ausmaß der Störung. Im vierten Quartal 2025 wurden durchschnittlich 21,6 Mio. Barrel Rohöl und andere flüssige Mineralölprodukte pro Tag durch Hormus transportiert. Im zweiten Quartal 2026 waren es nur noch 4,9 Mio. Barrel täglich. Damit wurden lediglich rund 23 Prozent der früher üblichen Menge über diesen wichtigen Seeweg verschifft. Die übrigen rund 16,7 Mio. Barrel pro Tag fehlen dem Weltmarkt allerdings nicht vollständig. Ein Teil wird über andere Wege exportiert.

Eine wichtige Ausweichroute führt quer durch Saudi-Arabien. Über die East-West-Pipeline kann Rohöl zum Hafen Yanbu am Roten Meer transportiert und Hormus damit vollständig umgangen werden. Das zeigt sich an den Transportmengen durch die Straße von Bab al-Mandab. Dort wurden im vierten Quartal 2025 rund 5,4 Mio. Barrel täglich transportiert. Im zweiten Quartal 2026 waren es dagegen 8,1 Mio. Barrel pro Tag. Die Menge ist somit trotz der Sicherheitsprobleme im Roten Meer um rund 50 Prozent gestiegen. Ursache ist vor allem die Umleitung saudischer Exporte. Auch diese Route ist geopolitischen Risiken ausgesetzt.

Aufgrund des erheblich reduzierten Exports droht die Region von einer Ölwelle überschwemmt zu werden. Das zwingt dazu, die Förderung am Persischen Golf zu reduziert. Die EIA beziffert die stillgelegte Rohölproduktion im Juli auf durchschnittlich 5,5 Mio. Barrel pro Tag. Es besteht die Gefahr, dass diese Menge nicht mehr vollständig an den Markt zurückgebracht werden. Da der Sachverhalt komplex ist und diesen Text sprengen würde, wird er in einem weiteren Kommentar behandelt.

Für die Beurteilung der Ölpreise darf nicht nur auf das Angebot geschaut werden. Gleichzeitig ist die weltweite Ölnachfrage deutlich zurückgegangen. Nach EIA-Daten wurden im zweiten Quartal 2026 durchschnittlich 100,33 Mio. Barrel pro Tag verbraucht. Im zweiten Quartal 2025 waren es noch 103,97 Mio. Barrel. Das entspricht einem Rückgang um rund 3,6 Mio. Barrel pro Tag beziehungsweise 3,5 Prozent. Besonders ausgeprägt war die Nachfrageschwäche in Asien und Ozeanien. Allgemein tragen hohe Kraftstoffpreise und die wirtschaftlichen Folgen der Störungen im Nahen Osten dazu bei.

Die Nachfrageschwäche ist derzeit ein wichtiges Gegengewicht zur Angebotsknappheit. Dass der Markt dennoch nicht ausgeglichen ist, zeigen die Lagerbestände. Nach Berechnungen der EIA gingen die weltweiten Ölvorräte im zweiten Quartal durchschnittlich um 4,2 Mio. Barrel pro Tag zurück. Der Markt wird also teilweise aus vorhandenen Vorräten versorgt. Für die Preisbildung wirken damit zwei starke Kräfte gegeneinander. Die schwächere Nachfrage wirkt preisdämpfend, während Produktionsausfälle, eingeschränkte Transportwege und sinkende Lagerbestände den Preis stützen.

Für Heizölverbraucher kommt eine weitere Besonderheit hinzu. Heizöl gehört wie Diesel und Kerosin zu den Mitteldestillaten. Entscheidend ist deshalb nicht nur der Rohölpreis, sondern auch die Versorgung der Raffinerien und Produktmärkte. Die IEA beziffert die weltweite Raffinerieverarbeitung im Juli auf 80,9 Mio. Barrel pro Tag. Das sind knapp 5 Mio. Barrel oder 6,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig sind die über See transportierten Mineralölprodukte deutlich zurückgegangen. Die Raffineriemargen für Diesel, Kerosin und Benzin erreichten im Atlantikraum deshalb außergewöhnlich hohe Niveaus. Das erklärt, warum ein Rückgang des Rohölpreises derzeit nicht im gleichen Umfang beim Heizöl ankommt.

Auch am Beginn der neuen Woche weist an den Börsen nichts auf eine grundlegende Änderung der Preissituation hin. Die Notierungen für Rohöl und Gasöl verlieren heute Morgen an Wert. Die Bewegung ist vollkommen unspektakulär und spielt sich vollständig in den Grenzen des letzten Handelstags ab.

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 81,69 Dollar und das Barrel Brent zu 88,22 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.237,50 Dollar Der US-Dollar kostet aktuell 0,8612 Euro Damit kostet der Euro 1,1609 Dollar.

Nationaler Markt

Die Heizölpreise geben weiterhin in homöopathischen Dosen nach, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie geben damit die Vorgaben des internationalen Markts nachvollziehbar wieder. Die Konstellation der Preistrends bleibt unangetastet. In den verschiedenen Zeitbereichen dominieren Aufwärtskanäle eindeutig die kaufrelevanten Perioden. Angesichts der geopolitischen Umstände ist kaum etwas anderes zu erwarten.

Viele Wasserstände auf dem Rhein haben in der letzten Woche 60-Jahre-Tiefs erreicht. Mittlerweile macht sich aber etwas Entspannung aufgrund der jüngsten Regenfälle bemerkbar. Das führt zu neuer Nachfrage nach Transportkapazitäten. Sie treibt die Frachtraten erneut aufwärts. Die Differenz zur letzten Woche ist allerding relativ gering, weil das Niveau bereits sehr hoch ist.

Im Binnenmarkt gibt es ein moderates Kundeninteresse an Heizöl. Die Hoffnung auf bessere Preise ist zurückhaltend. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf mittlerem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem unterdurchschnittlichen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.

Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Vom Ende des erhöhten Preisniveaus kann man derzeit nur träumen. Wer Heizöl kaufen muss oder möchte, sollte sich für den Kauf einer Teilmenge entscheiden und dann entspannt auf deutlich tiefere Preise warten.

Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

Quelle: esyoil