
Internationaler Markt
Der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus ist in der vergangenen Woche auf einem außergewöhnlich niedrigen Niveau geblieben. Trackingdaten des Analyseunternehmens Kpler zeigen, dass Reedereien angesichts der angespannten Sicherheitslage im Persischen Golf weiterhin große Vorsicht walten lassen. Bis einschließlich Donnerstag wurden lediglich neun Tanker registriert, darunter nur zwei Supertanker mit einem Ladevolumen von zwei Millionen Barrel. Am Wochenende ging der Schiffsverkehr nochmals deutlich zurück.
Damit bleibt die Zahl der Passagen weit unter dem Niveau vor Beginn des Iran-Kriegs. Vor dem 28. Februar durchquerten täglich rund 125 größere Handelsschiffe die Meerenge. Über die strategisch wichtige Route wurde etwa ein Fünftel des weltweiten Rohölangebots transportiert. Die derzeit niedrigen Passagenzahlen verdeutlichen, wie stark die Energieexporte aus dem Persischen Golf weiterhin von der jeweiligen Gefahrenlage abhängen.
Die ohnehin hohen Spannungen im Persischen Golf haben sich am Wochenende in der Tat weiter verschärft. US-Streitkräfte griffen am Samstag nach eigenen Angaben drei iranische Rohöltanker an und reagierten damit auf vorherige iranische Raketenangriffe auf zwei US-Kriegsschiffe. Zwei Tanker wurden vor der iranischen Küste getroffen, ein dritter im Golf von Oman manövrierunfähig geschossen.
Der Iran meldete seinerseits Angriffe auf drei Schiffe mit Verbindungen zu den USA in der Straße von Hormus. Zudem kündigte Teheran die Einrichtung einer neuen Sperrzone an, die sich von einer US-Marineblockade bis in Teile des Persischen Golfs erstrecken soll.
Ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht. Dennoch werden Beobachter nicht müde, fallende Preise in einem Zeithorizont von ein bis zwei Quartalen in Aussicht zu stellen. Dahinter verbirgt sich die Vorstellung, dass die Kontrahenten die Idiotie ihres Krieges einsehen und überwinden. Diese Vorstellung wird Woche für Woche und Monat für Monat durch die Zeit rolliert. Parallel dazu bauen die Anrainer am Persischen Golf alternative Transportwege auf, um sich unabhängiger von der Straße von Hormus zu machen. Das sollte auf Sicht von zwei Jahren gelingen. Schon jetzt gelangt ein nennenswerter Teil des Rohöls und der Ölprodukte aus der Region auf solchen Wegen zu den Kunden. Das heißt, dass Vorkriegspreise in einem Zeitraum von zwei Jahren auf die eine oder andere Weise erreicht werden können. Mit einem Friedensabkommen kann es früher ohne ein solches später geschehen.
Die Kpler-Daten bilden übrigens nur bestätigte beziehungsweise über Trackingdaten erkennbare Passagen ab. Schiffe, die ihre Transpondersysteme abgeschaltet haben, um unentdeckt zu bleiben, können nicht gezählt werden. Insbesondere die jüngsten Zahlen können daher nachträglich noch nach oben korrigiert werden.
Derweil setzt die Ukraine die Störung oder Zerstörung der russischen Ölinfrastruktur fort. Bei einem Drohnenangriff in der Region um Sotschi am Schwarzen Meer brach nach ukrainischen Angaben ein Feuer auf dem Gelände einer Ölraffinerie aus. Zudem wurden Gebäude beschädigt und ein Schiff getroffen. Bei der betroffenen Anlage könnte es sich um die Rosneft-Raffinerie in Tuapse handeln. Sie war bereits mehrfach Ziel ukrainischer Drohnenangriffe.
Vor diesem Hintergrund sind die Ölpreise in der letzten Woche kräftig gestiegen. Rohöl war zuletzt am 24. Juli teurer als heute. Gasöl, das Vorprodukt für Heizöl, erreichte den höchsten Wert seit dem 7. April. An den Ölbörsen wird heute mit eingeschränkten Volumen gehandelt, weil die USA ihren Labor Day feiern. Die Preisbildung gilt an solchen Tagen als anfällig für Kursmanipulationen. Das ändert aber nichts an der Tatsache aufwärtsweisender Ölpreistrends.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 87,44 Dollar und das Barrel Brent zu 92,13 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.353,75 Dollar. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8623 Euro . Damit kostet der Euro 1,1593 Dollar .
Nationaler Markt
Nach Erreichen eines Fünf-Monats-Hochs fielen die Heizölpreise in der letzten Woche ein wenig. Nun steigen sie wieder, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Aufgrund der internationalen Vorgaben kann man kaum etwas anderes erwarten. Die Preistrends dazu sehen entsprechend aus. In den kaufrelevanten Perioden weisen sie allesamt aufwärts.
Mit dem Ende der Urlaubszeit steigt der Bedarf an Frachtraum auf dem Rhein wieder etwas an. Das geschieht bei anhaltend niedrigen Wasserständen. Bisher sind lediglich die Tiefststände überwunden. Weitere Regenfälle lassen im Wochenverlauf eine moderate Verbesserung erwarten. Dass diese über den Tag hinaus reicht, um die Frachtkosten zu senken, gilt als unwahrscheinlich. Frachtraum ist immer noch drei- bis viermal so teuer wie üblich.
Im Binnenmarkt lässt der Anstieg des Kundeninteresses an Heizöl verständlicherweise auf sich warten. Es gibt etwas Hoffnung auf bessere Preise. Rational lässt sie sich kaum begründen. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf niedrigem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem niedrigen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Vom Ende des erhöhten Preisniveaus kann man derzeit nur träumen. Wer Heizöl kaufen muss oder möchte, sollte sich für den Kauf einer Teilmenge entscheiden, um im kommenden Jahr hoffentlich deutlich günstiger ordern zu können.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
Quelle: esyoil