Marktberichte Brennstoffe

Internationaler Markt

Die Rohölpreise liegen heute deutlich unter der Marke von 100 Dollar je Barrel. Der steile Rückgang auf 97 Dollar hat allerdings vor allem technische Gründe. Der Liefervertrag für den Monat November lief gestern aus. An den Ölbörsen gibt ab heute der bislang günstigere Dezember-Kontrakt den Takt an.

Aber auch im realen Ölmarkt hat sich die Stimmung etwas aufgehellt. Offenbar kommt immer mehr Öl durch die Meerenge von Hormus. Exportländer wie Irak oder Saudi-Arabien übernehmen dabei das Risiko. Sie chartern kleine Tanker, um das Öl bis jenseits der Meerenge zu Häfen im Oman zu bringen. Erst dort wird das Öl dann in die großen Öltanker verladen, die ihre Fracht nach Asien oder Europa bringen.

Große indische Raffinerien trauen sich sogar, direkt in den Persischen Golf zu fahren, um das Rohöl zu übernehmen. Die Profite sind enorm. Im Irak lockt die staatliche Vermarktungsgesellschaft SOMO die „Selbstabholer“ mit Rabatten von bis zu 37 Dollar je Barrel in den Golf. Die Höhe der Rabatte scheint gerechtfertigt, denn die Risiken bleiben hoch. Nach Medienberichten wurden allein am Dienstag drei Öltanker in der Straße von Hormus von Projektilen getroffen.

Die größten Exportprobleme hat nach wie vor der Iran. Die USA blockieren die Häfen und den Tankerverkehr. Nur in seltenen Fällen gelingt es Teheran, sein Öl auf dem Seeweg aus der Region zu bringen.

Deutlich angespannter ist die Lage weiterhin bei den Ölprodukten. Das gilt vor allem für Diesel. Russland hat sein Exportverbot für Diesel bis Ende Oktober verlängert. Auch US-Präsident Trump denkt immer wieder laut über ein Exportverbot für Diesel nach, um die heimischen Rekordpreise zu senken. Doch mittlerweile ist auch im Weißen Haus angekommen, dass dadurch die Benzinpreise steigen würden.

Die neue Strategie in Washington ist jetzt, die Europäer unter Druck zu setzen. Sie sollen einen großen Teil ihrer strategischen Dieselreserven auf den Markt werfen. Vor allem Deutschland und Frankreich verfügen über große Bestände. Eigentlich ist die Internationale Energieagentur (IEA) für solche Fragen zuständig. Nach bislang etwas vagen Medienberichten setzt das Weiße Haus jedoch die deutsche Wirtschaftsministerin direkt unter Druck.

Der gestrige Wochenbericht zum amerikanischen Ölmarkt zeigt, dass die Lagerbestände in den USA in der Tat recht knapp geworden sind. Die Bestände an Diesel und Heizöl sanken deutlich und liegen auf dem niedrigsten Stand, der für diese Jahreszeit jemals gemessen wurde. Bei Benzin sieht es nicht viel besser aus. Nur die Rohölbestände stiegen leicht an.

Hier die Zahlen des US-Energieministeriums. Sie zeigen die Veränderungen der Lagerbestände in den USA im Vergleich zur Vorwoche:

∙ Rohöl: +0,9 Mio. Barrel
∙ Heizöl und Diesel: -2,3 Mio. Barrel
∙ Benzin: -1,7 Mio. Barrel
∙ SPR-Rohöl (Staatliche Ölreserven der USA): -0,8 Mio. Barrel

Die Ölbörsen starten am Morgen mit Abschlägen in den neuen Handelstag. Brent-Rohöl kostet aktuell 97,28 US-Dollar je Barrel Die US-Rohölsorte WTI steht bei 89,46 US-Dollar je Barrel ICE-Gasoil wird zu 1.441,50 Dollar je Tonne gehandelt Der US-Dollar ist 0,8832 Euro wert . Der Euro notiert bei 1,1320 Dollar .

Nationaler Markt

Die Heizölpreise ziehen trotz der Entspannung im Rohölmarkt an. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen landesweiten Durchschnittspreis von 167 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Das sind zwei Euro mehr als gestern um diese Uhrzeit.

Wieder einmal sind die hohen Preise für Gasoil, das Vorprodukt von Diesel und Heizöl, dafür verantwortlich. Hinzu kommen regionale Lieferprobleme durch die niedrigen Rheinpegel. Im Tankstellenmarkt sorgt ab heute der „Tankrabatt 3.0“ für Entspannung. Im Heizölmarkt bleiben die Preise hoch.

Dennoch ist der Markt lebendig. Die Zahl der Bestellungen ist in dieser Woche überdurchschnittlich hoch. Die Kaufbereitschaft, also das Verhältnis zwischen Preisanfragen und Bestellungen, ist im Mittelfeld. Kaufpanik gibt es also nicht. Die Stimmung bleibt überwiegend optimistisch: In der täglichen Lesereinschätzung rechnen 71 Prozent der Voten mit fallenden Preisen, nur 29 Prozent erwarten steigende Notierungen.

Fazit: Im Rohölmarkt hat sich die Lage etwas entspannt. Für Gasoil/Diesel und damit auch für Heizöl gilt das aber nicht. Eine Freigabe der europäischen Dieselreserven könnte für Entlastung sorgen. Aber ob es dazu kommt, ist im Moment noch unklar. Wer demnächst Heizöl braucht, sollte also nicht auf einen Preisrutsch spekulieren.

Quelle: esyoil