
Internationaler Markt
Nach dem vom Weißen Haus diktierten Führungswechsel in Caracas ist die Ölproduktion in Venezuela um rund 17 Prozent gestiegen. Grund dafür sind vor allem gelockerte US-Sanktionen und Reformen im Ölsektor, die ausländische Investitionen erleichtern und privaten Unternehmen mehr Freiheiten geben. Wahrscheinlich hat diese Erfolgsgeschichte der USA dazu beigetragen, den Iran-Krieg vom Zaun zu brechen. Der erweist sich nach bald einem Monat aber eher als ein Desaster. Wenn man in Venezuela hinter die Kulissen schaut, stellt man zu allem Überfluss fest, dass auch dort nicht alles Gold ist, was glänzt. Die Fördermenge liegt noch weit unter früheren Spitzenwerten von etwa 3 Millionen Barrel pro Tag. Jahrzehntelange Misswirtschaft, fehlende Investitionen und politische Unsicherheit bremsen weiterhin eine vollständige Erholung.
Die Hoffnung auf eine schnelle Entspannung im Iran-Konflikt währte nur kurz, da die alte Führung in Teheran weit weniger von einzelnen Köpfen abhängt als im Weißen Haus orakelt wurde. Trotz einer drehbuchhaft abgespulten Mordserie an der Nomenklatura zerfällt das Mullah-Regime nicht. Der Iran kann es sich bis heute leisten, an strengen Bedingungen für eine eventuelle Deeskalation festzuhalten. Dazu gehört unter anderem die Kontrolle über die Straße von Hormus. Die damit verbundenen Spannungen treiben die Ölpreise weiter aufwärts.
Die Reaktionen aus Washington zeugen von zunehmender Verwirrung über die Lage. So hat Präsident Trump dem Iran mehr Zeit eingeräumt und sein ursprüngliches 48-Stunden-Ultimatum zur Öffnung der Meerenge erneut verlängert, nun bis zum 6. April. Er begründet dies mit angeblich positiven Verhandlungen. Dafür gibt es allerdings keine bestätigten Aussagen aus Teheran. Teilweise bestreitet der Iran diese Darstellung sogar.
An den Märkten führte die Verlängerung nur kurzfristig zu sinkenden Ölpreisen. Das Misstrauen bleibt indes hoch, da die militärischen Spannungen in der Region weiter anhalten und unklar ist, ob überhaupt echte Gespräche stattfinden. Auch Trumps Aussage über durchgelassene Öltanker als Signal eines iranischen Entgegenkommens konnte die Zweifel nicht ausräumen, da dafür ebenfalls keine Bestätigung vorliegt.
Analysten zufolge haben wir es mittlerweile mit dem größten Energiemarktschock seit 1990 zu tun. Sie rechnen mit einem durchschnittlichen Brent-Preis von etwa 85 US-Dollar pro Barrel, wenn die Meerenge von Hormus umgehend frei von Gefahren wäre. Dieser Preis liegt bereits deutlich über früheren Prognosen von rund 56 Dollar für dieses Jahr. Sollte die Seeroute jedoch über ein oder zwei Monate länger blockiert bleiben, dürften die Preise deutlich über den aktuellen Wert von 110 Dollar steigen.
Derweil ist es in der Öffentlichkeit still um den Krieg in der Ukraine geworden, obwohl sich Kiew um die Aufrechterhaltung des Interesses bemüht. Nach einiger Zeit der Abstinenz zeigt sich sogar Russland wieder gesprächsbereit für Friedensverhandlungen mit den USA und der Ukraine. Man stünde mit Washington in Kontakt. Neue Gespräche sollen stattfinden, sobald es die Umstände zulassen. Zentrale Streitpunkte wie die Frage, wem die umkämpften Gebiete im Donbass zustehen, bleiben allerdings ungelöst. Während die Ukraine auf vollständigem Erhalt ihrer Territorien besteht, beansprucht Russland Teile davon für sich und sieht sie als eigenes Staatsgebiet an. Das heißt, dort ist alles beim Alten, wenn man mal davon absieht, dass die Ukraine Russlands Ölindustrie immer erfolgreicher attackiert.
Die Umstände am Ölmarkt könnten fiktional kaum unangenehmer beschrieben werden, als sie in der Realität sind. Den bereits ausgefallen Ölströmen von rund acht Mio. Barrel pro Tag können bald weitere folgen. Die vorläufig denkbare Ausfallsgrenze liegt irgendwo unterhalb von 20 Mio. Barrel pro Tag, was knapp 20 Prozent des globalen Bedarfs entspricht. Dass die börsennotierten Kurse vor diesem Hintergrund immer weiter steigen, liegt nahe. Rohöl der Sorte Brent steht aktuell gut drei Prozent höher als gestern Früh. Gasöl, das Vorprodukt für Heizöl, legt knapp sechs Prozent zu.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 95,91 Dollar und das Barrel Brent zu 109,75 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.346,50 Dollar. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8675 Euro. Damit kostet der Euro 1,1524 Dollar.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise steigen, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Ihre jüngsten Höchststände haben sie aber noch nicht überschritten und sie laufen den internationalen Vorgaben hinterher. Daraus kann man ableiten, dass der heimische Markt funktioniert. Die geringe Nachfrage lässt die vollständige Weitergabe des Preisanstiegs nicht zu. In den kaufrelevanten Zeitbereichen liegen durchgängig Aufwärtstrends vor, die sich soll schnell nicht bändigen lassen. Deshalb lädt jeder Rücksetzer zu Spontankäufen ein.
Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt ist naheliegenderweise dürftig. Einen Hauch von Belebung hat der Preisrücksetzer in dieser Woche aber gebracht. Die Hoffnung auf tiefere Preise folgt weiterhin der realen Preisentwicklung mit etwas Zeitversatz. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf niedrigem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem schwachen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser mathematisches Tiefpreissystem weist in allen Regionen der Republik Handelssignale aus. Es reagiert damit auf die extreme Volatilität im Markt. Darin eine Kaufempfehlung im klassischen Sinn zu erkennen, fällt aber schwer.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Freiwillig kauft man in diesen Tagen natürlich kein Heizöl. Es sei aber darauf hingewiesen, dass der Preis weiter steigen dürfte und dass man auf keinen Fall volltanken muss.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
Quelle: esyoil