Marktberichte Brennstoffe

Internationaler Markt

Ein chaotischer Tag endete gestern mit den niedrigsten Ölpreisen seit Mitte März. Brent-Rohöl kostet heute am frühen Morgen nur noch 88 Dollar je Barrel. Das sind fünf Dollar weniger als gestern.

Der Irankonflikt schien sich gestern zunächst weiter zu verschärfen. Von beiden Seiten gab es militärische Schläge. US-Präsident Trump kündigte eine militärische Eskalation an, darunter auch die Besetzung der iranischen Ölverladeinsel Kharg, dem Herzstück der iranischen Infrastruktur. Die Ölpreise stiegen daraufhin auf 95 Dollar je Barrel.

Wenige Stunden später kam dann die Kehrtwende: Trump sagte alle Militärschläge ab und verkündete, dass eine Einigung mit Teheran in vollem Umfang erreicht worden sei. Auch die Verbündeten am Golf, Israel, Pakistan und die Türkei seien mit im Boot. Die Unterzeichnung des Vertrags soll an diesem Wochenende in Europa stattfinden, vermutlich in Genf. Eine amerikanische Vorausdelegation sei bereits unterwegs.

Und noch wichtiger für den Ölmarkt: Die Straße von Hormus werde schon „am Samstag oder am Montag“ wieder offen sein, ohne iranische Zölle. Zwar hatte der US-Präsident in den letzten Monaten schon sehr häufig von einer „nahen“ Einigung gesprochen, aber so konkret war er bisher noch nie.

Die Ölpreise gingen daraufhin in den freien Fall über und sanken in wenigen Stunden um fünf Prozent. Dort blieben sie dann bis zum heutigen Morgen.

Aber Trump wäre nicht Trump, wenn er nicht auch dieses Mal stark übertrieben hätte. Israel war offenbar weder informiert noch eingebunden. Ein Ende der Kämpfe gegen die Hisbollah ist aber anscheinend eine Voraussetzung für eine Zustimmung Teherans. Aus dem Iran gibt es bisher keine klare Reaktion, allerdings auch kein Dementi, wie sonst üblich.

Auch handelt es sich offenbar um keinen Vertrag, sondern um ein eher grob strukturiertes Memorandum of Understanding, also eine Einigung über Leitlinien. Zentrale Fragen wie die Übergabe des hochangereicherten Urans an die USA, das Raketenprogramm oder die iranische Unterstützung der Terrormilizen in der Region sollen anscheinend erst später verhandelt werden. Dasselbe gilt wohl auch für die Frage der eingefrorenen iranischen Vermögenswerte.

Damit bleiben eigentlich nur noch zwei Punkte übrig: Iran öffnet die Straße von Hormus und im Gegenzug heben die USA die Seeblockade iranischer Ölexporte auf. Mit anderen Worten: Die USA hätten nichts erreicht, denn das wäre dieselbe Lage wie vor Kriegsbeginn Ende Februar.

Doch für die Ölbörsen zählt nur die bevorstehende Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Die Preise bleiben zum Handelsstart auf dem Rekordtief von gestern Abend. Brent-Rohöl kostet aktuell 88,40 US-Dollar je Barrel . Die US-Rohölsorte WTI steht bei 85,94 US-Dollar je Barrel. Rotterdamer Gasoil wird zu 978,25 Dollar je Tonne gehandelt . Der US-Dollar ist 0,8642 Euro wert . Der Euro steht bei 1,1569 Dollar.

Nationaler Markt

Auch der deutsche Heizölmarkt ist noch dabei, die Nachrichten der letzten 24 Stunden zu verdauen. Die Preise fallen allerdings schon deutlich. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen landesweiten Durchschnittspreis von 117 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Das sind drei Euro weniger als vor einem Tag.

Der Markt wird jetzt lebendiger. Schon gestern stieg die Kaufbereitschaft deutlich an und erreichte erstmals seit dem Ausbruch des Irankriegs wieder überdurchschnittliche Werte. Heute wird es wohl ganz ähnlich sein.

Auch das mathematische Tiefpreis-System, das Preistrends auswertet, gibt jetzt wieder eine Kaufempfehlung. Die täglich ermittelte Lesereinschätzung zeigt einen fast unveränderten Anteil von Preisoptimisten von knapp 70 Prozent.

Die Heizölpreise fallen. Sie liegen jetzt nur noch 25 Prozent über dem Vorkriegsniveau, was angesichts der Schwere der Ölkrise eher moderat ist. Auch wenn das Oval Office Optimismus verbreiten will, sind auf dem Weg bis zu einer wirklichen Konfliktlösung noch viele Hindernisse zu überwinden. Daher sollten die Haushalte, die nur noch geringe Reserven haben, die Tage mit niedrigen Preisen nutzen.

Dennoch gilt nach wie vor: Nichts ist billiger und klimaschonender als Heizöl, das nicht verbraucht wird. Reduzieren Sie Ihren Heizölbedarf und überdenken Sie Ihre aktuelle Heizlösung. Die Verbraucherzentralen halten Tipps und Empfehlungen bereit.

Quelle: esyoil