
Internationaler Markt
Der gestrige Montag wird wohl als einer der nervösesten Handelstage aller Zeiten in die Ölgeschichte eingehen. Am Morgen schossen die Rohölpreise über 25 Prozent nach oben; am Abend ging es ebenso schnell wieder nach unten. Heute kostet Brent-Rohöl am frühen Morgen 92 Dollar je Barrel. Das liegt auf dem Niveau vom letzten Freitag.
Was war gestern geschehen? Die Spekulationswelle kam zum Stillstand, als die G7-Finanzminister der führenden Industrieländer eine Freigabe der nationalen Ölreserven ins Spiel brachten. Damit war klar, dass die Verbraucherländer den steigenden Preisen nicht mehr lange tatenlos zusehen wollen.
Am Abend kam dann die Kehrtwende im Weißen Haus. Trump teilte inmitten einer Flut wirrer Statements mit, dass der Krieg schon „sehr bald“ enden werde und dass die USA ihre Kriegsziele fast vollständig erreicht hätten. Er deutete im Zusammenhang mit Russland die Aufhebung von Ölsanktionen an, blieb dabei aber vage. Deutlich wurde jedoch, dass das Weiße Haus jetzt versucht, den Anstieg der Ölpreise zu stoppen, wohl vor allem mit Blick auf die hohen Tankstellenpreise in den USA und die Kongresswahlen im Herbst.
Die Medien und auch die Trader an den Ölbörsen konzentrierten sich auf den Aspekt des möglicherweise nahen Kriegsendes. Die Ölpreise brachen schlagartig ein. Spekulanten lösten in Rekordgeschwindigkeit ihre Ölpreiswetten auf.
Kurz darauf teilte ein Sprecher der iranischen Revolutionsgarden mit, dass der Krieg erst dann enden werde, wenn der Iran das wolle und dass bis auf weiteres kein Tropfen Öl den Persischen Golf verlassen werde. Aber diese Drohung wurde im Ölmarkt ignoriert.
Wohl mit gutem Grund, denn wenn die USA und Israel ihre Angriffe stoppen, wird unklar, welche Ziele Teheran mit einer Blockade der Straße von Hormus dann eigentlich noch erreichen will. Am Ende des Tages ist auch der Iran auf die Einnahmen aus den Ölexporten angewiesen.
Trotzdem warnen Ölhändler und Analysten davor, schon jetzt Entwarnung zu geben. Die Meeresenge ist noch immer Kriegsgebiet und es ist sehr fraglich, ob die US Navy die wartenden Öltanker sicher hindurch eskortieren könnte.
Damit fehlen dem Ölmarkt nach wie vor 15-20 Mio. Barrel pro Tag, also fast ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung. In jedem Fall wird es mehrere Wochen dauern, bis sich der Ölfluss aus der Region wieder vollständig normalisiert hat. Eine rasche Rückkehr zu den Vorkriegspreisen bleibt damit unwahrscheinlich.
Kurz vor dem offiziellen Start der Ölbörsen in Europa kostet Brent-Rohöl 92,23 US-Dollar je Barrel. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 88,02 US-Dollar je Barrel. Rotterdamer Gasoil wird zu 1077,50 Dollar je Tonne gehandelt Preise. Der US-Dollar ist 0,8593 Euro wert. Der Euro steht bei 1,1634 Dollar.
Nationaler Markt
Auch im Heizölmarkt geben die Preise stark nach. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt aktuell einen landesweiten Durchschnittspreis von 132 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Das sind 13 Euro weniger als gestern um diese Uhrzeit. Das Vorkriegsniveau von 96 Euro ist allerdings noch weit entfernt.
Die Preise für Gasoil, das Vorprodukt der Raffinerien für Heizöl und Diesel, sind um 20 Prozent eingebrochen. Die Händler haben jetzt Spielraum, die Heizölpreise auf ein Niveau zu senken, das den Markt wieder in Gang bringt. Die Zahl der Bestellungen war in den letzten Tagen extrem gering.
Ein Blick auf die täglich ermittelte Lesereinschätzung zeigt, dass die Verbraucher gestern noch extrem pessimistisch in die Zukunft blickten. Die düstere Stimmung könnte sich heute etwas aufhellen.
Eine rasche Rückkehr zu den Vorkriegspreisen vom Februar oder Januar ist allerdings nicht in Sicht. Der Krieg am Persischen Golf ist noch nicht beendet. Die Straße von Hormus ist noch immer geschlossen. Wer jetzt vor einem leeren Tank steht, muss sich wohl oder übel mit den hohen Preisen arrangieren. Wer noch Reserven für die nächsten Monate hat, könnte von eventuell niedrigeren Preisen im Sommer profitieren.
In diesen Wochen gilt daher mehr denn je: Nichts ist billiger und klimaschonender als Heizöl, das nicht verbrannt wird. Reduzieren Sie Ihren Verbrauch und überdenken Sie Ihre aktuelle Heizlösung. Die Verbraucherzentralen halten Tipps und Empfehlungen bereit.
Quelle: esyoil