Marktberichte Brennstoffe

Internationaler Markt

In den letzten 36 Stunden hat sich die Lage im Ölmarkt schlagartig verschlechtert. Die Eskalation im Konflikt zwischen den USA und Iran sowie der Stopp der russischen Dieselexporte stehen im Zentrum.

Noch bis zum Dienstag drehte sich die Diskussion im Rohölmarkt vor allem darum, wie weit der Ölpreis noch sinken kann und wie groß die Ölschwemme sein wird, die sich durch die Öffnung der Straße von Hormus auf die Absatzmärkte zubewegt.

Doch die Preise der Rohölsorte Brent kletterten in den letzten Tagen von knapp über 70 auf zeitweise über 80 Dollar je Barrel. Heute stehen sie zum Handelsstart bei 77 Dollar.

In der letzten Nacht griffen die US-Streitkräfte zum zweiten Mal iranische Stellungen an. Anscheinend ohne Erfolg. Teheran kündigte erneute Angriffe auf den Schiffsverkehr und auf US-Militärbasen in der Region an.

Der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus ist zum Stillstand gekommen. Kritisch ist vor allem, dass kein Tanker in den Golf zurückkehren kann. Wenn sich die Lage nicht rasch entspannt, müssen die Ölfelder und Raffinerien, die den Betrieb gerade erst wieder aufgenommen haben, schon wieder stillgelegt werden, weil das Öl nicht verladen werden kann.

Hinzu kommt seit gestern eine Verschärfung der Lage im Dieselmarkt. Nach den offenbar erfolgreichen Angriffen ukrainischer Drohnen auf russische Raffinerien musste Moskau nach dem Exportstopp von Benzin nun auch seine Dieselexporte aussetzen, um die Eigenversorgung zu sichern.

Russland und der Persische Golf gehören traditionell zu den weltweit größten Exportregionen für Diesel. Kein Wunder also, dass die Dieselpreise jetzt weltweit stark anziehen und sich von den ebenfalls steigenden Rohölpreisen nach oben absetzen.

Der gestern veröffentlichte Wochenbericht zum amerikanischen Ölmarkt beschleunigte die Preisbewegung. Die Bestände an Heizöl/Diesel sanken überraschend stark um 5 Mio. Barrel.

Bei den gewerblichen Rohöllagern ging es erstmals aufwärts, aber das gelang nur, weil die nationale Ölreserve (SPR) erneut große Ölmengen auf den Markt warf. Im Moment enthält die SPR nur noch 319 Mio. Barrel. Das ist der niedrigste Stand seit 1983. Aus technischen Gründen kann dieser Restbestand nicht vollständig genutzt werden. Der Mindestfüllstand wird irgendwo zwischen 200 und 300 Mio. Barrel vermutet. Es ist also nicht mehr viel Luft nach unten.

Hier die Zahlen des US-Energieministeriums (DOE) und die Umfragewerte des Branchenverbandes der Ölindustrie (API). Sie zeigen die Veränderungen der Lagerbestände im Vergleich zur Vorwoche:

∙ Rohöl: +3,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,4 Mio. Barrel (API)
∙ Heizöl und Diesel: -5,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,8 Mio. Barrel (API)
∙ Benzin: -1,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,9 Mio. Barrel (API)
∙ SPR-Rohöl (Staatliche Ölreserven der USA): -6,2 Mio. Barrel (DOE)

Trotz der Krisen bleiben die Ölbörsen am Morgen relativ entspannt. Brent-Rohöl kostet aktuell 77,07 US-Dollar je Barrel . Die US-Rohölsorte WTI steht bei 72,69 US-Dollar je Barrel . Rotterdamer Gasoil wird zu 1047,75 Dollar je Tonne gehandelt Der US-Dollar ist 0,8744 Euro wert Der Euro steht bei 1,1434 Dollar .

Nationaler Markt

Auch der deutsche Heizölmarkt wird nervös. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen landesweiten Durchschnittspreis von 122 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Das liegt zehn Prozent über den Tiefstwerten vom Juni.

Zwei Trends sind dafür verantwortlich: Höhere Preise für Rohöl und vor allem höhere Preise für Gasoil, also das Vorprodukt der Raffinerien für Diesel und Heizöl.

Dabei ist die Versorgungslage bei Diesel/Heizöl nach wie vor gut. In den ersten Krisenmonaten wurde mehr Diesel exportiert als importiert, nicht zuletzt weil nur wenig Heizöl im Binnenmarkt gekauft wurde.

Aber die monatelange Zurückhaltung schwindet. Gestern lag die Zahl der Bestellungen deutlich über dem Durchschnitt. Die Kaufbereitschaft ist hoch. Die tägliche Lesereinschätzung zeigt, dass die Preispessimisten jetzt in der Überzahl sind.

Fazit: Viele Nachbestellungen wurden in den letzten Monaten verschoben. Alle warteten auf eine Rückkehr zu den Vorkriegspreisen vom Januar und Februar. Doch die Chancen dafür sinken. Selbst wenn sich die Lage am Persischen Golf oder in Russland vorübergehend beruhigen sollte, bleiben die Preisrisiken in den nächsten Wochen hoch.

Quelle: esyoil