
Internationaler Markt
Gestern sprang der Preis für Brent-Rohöl zum ersten Mal seit zwei Monaten wieder über die 100-Dollar-Marke. Erst bei 102 Dollar endete der Anstieg. Heute steht der Ölpreis zum Handelsstart bei knapp 99 Dollar je Barrel.
Der steile Preisanstieg kam nicht überraschend. Der dreifache Konflikt in der Straße von Hormus, im Roten Meer und im Schwarzen Meer sorgt für Unruhe bei den Raffinerien in Europa und Asien.
In Europa belastet vor allem der Ausfall der kasachischen Exporte über das Schwarze Meer. Die Tanker sind von dort nur wenige Tage zu den Absatzmärkten in Südeuropa unterwegs. Die fehlenden Importe sind daher sofort spürbar. Ukrainische Angriffe haben mehrere Terminals der russischen Ölhäfen lahmgelegt, über die Kasachstan den größten Teil seines Öls exportiert. Auch stehen Tanker im Schwarzen Meer immer wieder unter Beschuss.
Die Angriffe der Huthi-Milizen im Roten Meer betriffen vor allem die saudischen Ölausfuhren Richtung Asien. Über den Ölhafen in Yanbu können die Saudis die blockierte Straße von Hormus umgehen. Doch jetzt ist der Weg der Tanker Richtung Osten zu riskant geworden. Zwei chinesische Supertanker haben die Passage dennoch gewagt und wurden nicht angegriffen. Doch die meisten anderen Tanker warten ab oder fahren Richtung Suezkanal.
Der Weg über den Kanal, durch das Mittelmeer und rund um Afrika ist allerdings ein sehr weiter Umweg, der die Transitzeit Richtung Ostasien mehr als verdoppelt und teuer macht. Auch passen nicht alle Tanker durch den Suezkanal. Er hat zwar im Gegensatz zum Panamakanal keine Schleusen, doch der beschränkte Tiefgang von maximal 20 Metern zwingt die größten Tankerklassen zu anderen Lösungen.
Sie müssen einen Teil ihrer Ladung im Süden des Kanals löschen und über die Sumed-Pipeline quer durch Ägypten zum Mittelmeer pumpen lassen. Dann können die Öltanker den Kanal passieren und die Ladung im Norden wieder aufnehmen. Die Sumed-Pipeline wurde nach dem Sechstagekrieg zwischen Ägypten und Israel (1967) gebaut.
Der Ölmarkt sieht damit einem schwierigen Spätsommer entgegen. Der militärische Konflikt zwischen den USA und Iran geht unvermindert weiter. Nur wenige Tanker riskieren den Weg durch die Straße von Hormus. Die wichtigste Ausweichroute über das Rote Meer steht unter Beschuss. Die kasachischen und russischen Ölexporte sind ebenfalls gefährdet. Die Dieselexporte aus Russland könnten sogar noch länger als geplant ausfallen, wie russische Nachrichtenagenturen gestern meldeten.
Die Nachrichtenlage sorgt dafür, dass die Ölpreise in der Nähe der 100-Dollar-Marke bleiben. Zum Börsenstart in Europa kostet Brent-Rohöl 98,80 US-Dollar je Barrel. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 90,54 US-Dollar je Barrel. Rotterdamer Gasoil wird zu 1263,00 Dollar je Tonne gehandelt Der US-Dollar ist 0,8775 Euro wert . Der Euro steht bei 1,1394 Dollar
Nationaler Markt
Die Krisen im Rohölmarkt ziehen auch Heizölpreise mit nach oben. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen landesweiten Durchschnittspreis von knapp 135 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter).
Damit ist Heizöl binnen eines Monats um 25 Prozent teurer geworden. Immerhin wachsen die rekordverdächtigen Margen der Raffinerien im Gasoilmarkt (Diesel/Heizöl) seit einigen Tagen nicht mehr weiter an. Das bremst den Anstieg der Heizölpreise.
Der Heizölmarkt bleibt relativ ruhig, auch wenn sich die Zahl der Bestellungen allmählich durchschnittlichen Werten nähert. Eine wachsende Zahl von Verbraucherinnen und Verbrauchern will den immer höher kletternden Preisen nicht mehr hinterherschauen und versorgt sich rechtzeitig vor der Heizsaison.
Dazu passt der wachsende Preispessimismus in der täglichen Lesereinschätzung. Nahezu zwei Drittel der Stimmen erwarten eine Fortsetzung des negativen Preistrends. Das ist vermutlich nicht verkehrt, denn eine Lösung der zahlreichen Krisen im Ölmarkt ist nicht in Sicht.
Quelle: esyoil