
Internationaler Markt
Die Ölpreise steigen seit gestern wieder an. Die Nordseesorte Brent liegt aktuell knapp unter der Marke von 100 Dollar je Barrel. Auf Wochensicht bleibt trotzdem ein dickes Minus von rund 15 Prozent. Wenn sich daran nichts mehr ändert, wäre es der größte Wochenverlust seit April 2020.
Ölhändler halten den Ausverkauf der letzten Tage für übertrieben und kaufen wieder zu. Der Wahlsieg der Demokraten hat an der Lage in der Straße von Hormus nichts geändert. Nach Angaben der iranischen Revolutionsgarden wurden gestern drei weitere Tanker beschädigt, zwei davon angeblich durch Seeminen. Eine unabhängige Bestätigung gibt es dafür allerdings nicht. Die britische Behörde für maritime Sicherheit UKMTO zählt seit Sonntag mindestens fünf Zwischenfälle. Im Oktober wurden 35 Schiffe getroffen, mehr als in jedem anderen Kriegsmonat.
Auch politisch bleibt die Unsicherheit groß. US-Präsident Trump schwankt nach Medienberichten zwischen neuen Angriffen, wirtschaftlichem Druck und einem Abkommen mit deutlichen Zugeständnissen an Teheran.
Gleichzeitig laufen Gespräche über katarische Vermittler. Teheran prüft nach Angaben der New York Times Vorschläge zu seinem Atomprogramm. Die Forderungen liegen aber weit auseinander. Der Iran will die Aufhebung der Blockade, gelockerte Sanktionen und die Freigabe eingefrorener Gelder, bevor die Meerenge vollständig geöffnet wird. Seit der Wahlschlappe sieht sich der Iran möglicherweise in einer stärkeren Position als zuvor.
Die amerikanische Seeblockade geht unterdessen weiter. Die iranischen Ölexporte erreichen nur einen Bruchteil der üblichen Mengen. Lediglich 200.000 bis 300.000 Barrel pro Tag kommen über den Umweg Irak auf den Markt.
Im globalen Rohölmarkt mehren sich dennoch die Hinweise auf ein Überangebot. Die hohen Preise bremsen die Nachfrage, während die Exporte vom Persischen Golf steigen. Nach Daten von Vortexa lagen sie im Oktober bei 14 Mio. Barrel pro Tag. Das sind knapp 90 Prozent des Vorkriegsniveaus. Die Investmentbank JPMorgan schätzt den globalen Überschuss im Oktober auf 1,4 Mio. Barrel pro Tag.
Bei den Ölprodukten sieht es nach wie vor völlig anders aus. Die Exporte von Diesel, Kerosin und anderen Produkten aus der Golfregion verharren bei etwa der Hälfte der Vorkriegsmengen. Auch aus China kommt nur wenig Entlastung. Wegen niedriger Bestände könnten die staatlichen Raffinerien ihre Dieselexporte im November deutlich kürzen.
An den Ölbörsen geht es nach dem wilden Auf und Ab der letzten Tage heute etwas ruhiger zu. Brent-Rohöl kostet aktuell 98,86 US-Dollar je Barrel P. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 90,89 US-Dollar je Barrel Gasöl wird zu 1.379,75 Dollar je Tonne gehandelt Der US-Dollar ist 0,8940 Euro wert Der Euro notiert bei 1,1184 Dollar.
Nationaler Markt
Die Erholung an den Rohölbörsen kommt auch im deutschen Heizölmarkt an. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen landesweiten Durchschnittspreis von über 168 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Der Preissprung bei Gasoil und der schwächere Euro sind darin noch nicht vollständig enthalten. Rechnerisch ist im Tagesverlauf ein weiterer Anstieg möglich.
Am Rhein bleibt die Lage angespannt. Die Pegel sind gefallen und dürften sich in den kommenden Tagen kaum verändern.
Die Kaufbereitschaft, also das Verhältnis zwischen Preisanfragen und Bestellungen, liegt im oberen Mittelfeld. Das gilt auch für die Zahl der Bestellungen. Die Stimmung bleibt trotz der wieder steigenden Preise optimistisch. In der täglichen Lesereinschätzung rechnen 82 Prozent der Stimmen mit fallenden Preisen.
Fazit: Die Trump-Administration muss sich nach dem Wahlschock erst wieder stabilisieren. Im Moment wirkt sie wenig handlungsfähig. Der Konflikt am Persischen Golf bleibt vorerst ungelöst. Dasselbe gilt für den Krieg zwischen Russland und der Ukraine. Heizöl könnte daher noch für längere Zeit teuer bleiben.
Quelle: esyoil