
Internationaler Markt
Am Ölmarkt geht es heute den vierten Handelstag in Folge nach oben. Brent-Rohöl kostet am Morgen über 91 Dollar je Barrel. Der Grund dafür ist die diplomatische Sackgasse zwischen Washington und Teheran. Die befristete Waffenruhe ist ohne konkrete Ergebnisse ausgelaufen. US-Präsident Trump bestätigte, dass derzeit keine Gespräche mit Teheran geplant seien.
Trump hält die Straße von Hormus für frei passierbar. Eine eigenwillige Einschätzung, die er wohl nur mit wenigen Reedereien teilt. Teheran nennt die Bedingungen für eine tatsächliche Öffnung: Aufhebung der US-Seeblockade, Streichung der Ölsanktionen und ein Ende der Militäroperationen. Beide Seiten spielen jetzt auf Zeit.
Belastbare Transitzahlen gibt es nicht, weil die Schiffe ihre Transponder, also ihre Standortmelder, abschalten. Schätzungen deuten auf eine einstellige Zahl von Tankerpassagen pro Tag. Zwei chinesische Supertanker drehten gestern mitten in der Meerenge um; ein Produktentanker aus den Emiraten machte gleich mehrere Kehrtwenden.
Immerhin gibt es neue Versuche, die Lage zu entlasten. Bagdad hat beschlossen, die Ölausfuhren ab September verstärkt über alternative Routen abzuwickeln, vor allem über die Kirkuk-Ceyhan-Pipeline in die Türkei. Daran angeschlossen sind allerdings nur die nördlichen Felder, während die großen Vorkommen im Süden keine Alternative zum Persischen Golf haben.
Auch an anderen Kriegsschauplätzen bleibt es unruhig. Russland leitet die kasachischen Rohölexporte vom Ostseehafen Ust-Luga an das Schwarze Meer um und macht damit Kapazitäten für eigenes Rohöl frei. Wegen der ukrainischen Drohnenangriffe gelingt es russischen Exporteuren am Schwarzen Meer kaum noch, Öltanker zu organisieren, die in diesem Hochrisikogebiet fahren wollen. Gestern wurde dort erneut ein griechischer Tanker angegriffen.
Doch die Preisentwicklung im Rohölmarkt verblasst gegenüber den Notierungen für Ölprodukte wie Diesel oder Benzin. Die Raffineriemargen in den USA für Diesel lagen Anfang der Woche auf einem Allzeithoch. In Europa ist die Lage nicht viel besser, was sich vor allem an den hohen Tankstellenpreisen zeigt.
Auch in anderen Finanzmärkten macht sich in diesen Tagen Krisenstimmung breit. Weltweit steigen in dieser Woche die Zinsen für Staatsanleihen auf ein Mehrjahreshoch, da vor allem wegen der hohen Öl- und Gaspreise ein Inflationsschub befürchtet wird. Es könnte also ein unruhiger Herbst werden.
Brent-Rohöl kostet aktuell 91,62 US-Dollar je Barrel Die US-Rohölsorte WTI steht bei 85,56 US-Dollar je Barrel ICE-Gasoil wird zu 1307,25 Dollar je Tonne gehandelt Der US-Dollar ist 0,8627 Euro wert Der Euro steht bei 1,1589 Dollar.
Nationaler Markt
Auch Heizöl bleibt teuer. Die Heizölpreis-Tendenz liegt am Morgen nahezu unverändert bei 134,5 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter).
Regional sind die Preisunterschiede nicht höher als sonst üblich, trotz der immer noch schwierigen Lage am Rhein. Die Regenfälle könnten dafür sorgen, dass sich die Lage in der nächsten Woche entspannt. Im Moment sind die Pegel allerdings unverändert niedrig.
Die Kaufbereitschaft ist nach wie vor gering. Die Zahl der Bestellungen bleibt unter dem Durchschnitt. In der täglich ermittelten Lesereinschätzung liefern sich Optimisten und Pessimisten seit Tagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen: 52 Prozent der Stimmen rechnen mit fallenden Preisen, 48 Prozent erwarten einen Anstieg.
Für überbordenden Optimismus gibt es jedoch keinen Anlass. Solange es keine Gespräche zwischen Washington und Teheran gibt, bleiben die Ölpreise hoch. Das Defizit beim Rohöl wird durch den weltweiten Lagerabbau entschärft, aber bei Ölprodukten wie Diesel/Heizöl, Kerosin und Benzin ist die Versorgungslage angespannt. Daran wird sich auch in den nächsten Wochen nichts ändern. Dasselbe gilt übrigens auch für den Gasmarkt, wo die Speicher in Deutschland trotz der näher rückenden Heizsaison immer noch halb leer sind.
Quelle: esyoil