
Internationaler Markt
Die Ölnotierungen haben das vorläufige Tief, dass sich in der aktuellen Entspannungsphase des Iran-Kriegs eingestellt hat, konsolidiert. Es stellt das monetarisierte Gleichgewicht zwischen Hoffen und Bangen dar. Um diese Referenz könnten die Notierungen während der laufenden Verhandlungen zwischen USA und Iran schwingen, bis belastbare Ergebnisse gemeldet werden.
Die auf maximal 60 Tage anberaumten Verhandlungen sind überraschend positiv mit der schnellen Einigung auf prozessuale Rahmenbedingungen gestartet. Für den Ölmarkt besonders relevant ist die geplante Einrichtung eines Kommunikationskanals zur Vermeidung von Zwischenfällen in der Straße von Hormus.
Darüber hinaus haben die USA ihre Sanktionen gegen den iranischen Ölsektor vorübergehend gelockert und eine bis zum 21. August gültige Ausnahmegenehmigung für die Produktion, den Verkauf und den Transport von iranischem Rohöl sowie Ölprodukten erteilt. Damit kann iranisches Öl erstmals seit vielen Jahren wieder deutlich einfacher und teilweise auch auf Dollarbasis gehandelt werden. Die Maßnahmen sollen die Gespräche über ein umfassendes Abkommen unterstützen.
Die diplomatischen Fortschritte werden als Signal für eine mögliche Entspannung im Nahen Osten gewertet und haben dazu beigetragen, die Risikoaufschläge im Ölpreis zu verringern. Substanzieller als diese bisweilen erratische und von undiplomatischen Entgleisungen begleitete politische Entwicklung sind allerdings reale Veränderungen auf dem Ölmarkt. Im Börsenjargon werden sie auch als fundamentale Veränderungen bezeichnet, da sie physische Zusammenhänge betreffen.
Der Iran weitet seine Ölexporte deutlich aus. Am Montag passierten drei sanktionierte Supertanker mit insgesamt rund sechs Millionen Barrel Rohöl die Straße von Hormus. Als Ziel gaben die Schiffe Gewässer nahe Singapur an, wo iranische Öllieferungen häufig auf andere Tanker umgeladen und anschließend vor allem nach China weitertransportiert werden. Insgesamt hat sich der Schiffsverkehr in der Meerenge spürbar belebt. Das führt zu einer realen Verbesserung der globalen Ölversorgung.
Libyen zeigt überraschenderweise eine der selten gewordenen positiven Entwicklungen innerhalb der OPEC. Die Ölproduktion des Landes hat mit knapp 1,5 Mio. Barrel pro Tag den höchsten Stand seit 2013 erreicht und damit das Förderziel für Ende 2026 schon fast erfüllt. Möglich wurde der Anstieg vor allem durch die zuletzt stabilere politische Lage im Land. Nach Jahren des Bürgerkriegs und den Belastungen durch die Corona-Pandemie konnte die Ölindustrie ihre Förderung kontinuierlich steigern.
Indien hat seine Importe von russischem Rohöl im Juni 2026 deutlich ausgeweitet und bezieht derzeit so viel Öl wie nie zuvor aus Russland. Ausschlaggebend sind die vergleichsweise günstigen Preise, während Lieferungen aus dem Nahen Osten durch die Unsicherheiten rund um die Straße von Hormus teurer und riskanter geworden sind. Zudem profitierte Indien zeitweise von einer US-Ausnahmeregelung für bestimmte russische Öllieferungen. Trotz des Rekordniveaus will Indien seine Energieversorgung breiter aufstellen. Neben Russland sollen künftig auch Importe aus Westafrika und Venezuela eine größere Rolle spielen, um die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten zu begrenzen.
Die Beispiele zeigen, dass die Vermeidung von Öltransporten aus dem Persischen Golf aktiv betrieben wird. Teilweise gelingt das sehr schnell. Viele Maßnahmen werden erst im Laufe von Monaten oder Jahren greifen. In allen Fällen handelt es sich aber um reale Veränderungen, die dem Ölmarkt mehr Stabilität verschaffen. Sie werden am langen Ende auf alle Fälle zu sinkenden Preisen führen, auch wenn die gegenwärtigen politischen Bemühungen ergebnislos bleiben sollten. Damit bekommt die eingangs erwähnte Preisreferenz die Chance, schon während der Verhandlungen zwischen und USA und Iran zu sinken.
An den Börsen ziehen die Ölnotierungen heute Morgen tatsächlich abwärts. Die Bewegung sieht allerdings noch nicht nach einem Trend, sondern nach Volatilität aus.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 73,51 Dollar und das Barrel Brent zu 77,40 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 864,25 Dollar. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8765 Euro. Damit kostet der Euro 1,1407 Dollar.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise drehen nun auch wieder abwärts, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Die Bewegung liegt im Rahmen der internationalen Vorgaben. Der Preisrückgang hat sich in den letzten Wochen durchaus erfreulich entwickelt. Er ist aber lange noch nicht dort, wo er sein sollte. Noch fehlt ihm die Sicherheit eines störungsfreien Betriebs auf den Weltmeeren. Die gibt es frühestens mit einem umfassenden Abkommen zwischen USA und Iran.
Im Binnenmarkt warten die Kunden auf bessere Preise. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf niedrigem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem ziemlich starken Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Das mathematische Tiefpreissystem weist in vielen Regionen der Republik Handelssignale aus.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Ein Ende des erhöhten Niveaus hat Kontur angenommen. Wirklich günstige Preise werden aber noch einige Zeit auf sich warten lassen.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
Quelle: esyoil