
Internationaler Markt
Der Anstieg der Ölpreise nahm in der letzten Woche wieder Fahrt auf. Rohöl legte um fünf Prozent zu. Gasöl, das Vorprodukt für Heizöl, stieg sogar um neun Prozent. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus der Rohölpreise mehr als 18 Prozent, das der Gasölpreise mehr als 20 Prozent. Ursächlich ist in erster Linie das Risiko weiterer Waffengänge, die einen Bezug zum Ölmarkt haben. Das gilt ganz besonders für die Konflikte mit dem Iran und mit Russland. Ohne diese Auseinandersetzungen könnten die Börsennotierungen für Rohöl der Sorte Brent locker unter 60 Dollar pro Barrel und die für Gasölpreis unter 600 Dollar pro Tonne gehandelt werden. Hier sind die unterschiedlichen Mengeneinheiten den Definitionen der standardisierten Terminkontrakte geschuldet.
Vor dem Wochenende reichte die Preisspitze bei Rohöl an die Werte heran, die sie anlässlich des Bombardements der iranischen Atomanlagen durch Israel und die USA im Juni letzten Jahres erklommen hatten. Der Gasölpreis übertrumpfte den damaligen Wert sogar. Die extreme Risikoprämie in den Preisen zeugt von der hohen Erwartung eines weiteren Angriffs. Dieser blieb vorerst aus. Die Ölpreise geben deshalb zum Wochenstart spürbar nach.
Der Iran und die USA versuchen das scheinbar Unvermeidliche doch noch auf dem Verhandlungsweg zu vermeiden. Das Mullah-Regime zeigt sich laut Insidern zu Zugeständnissen beim Atomprogramm bereit, verlangt im Gegenzug jedoch die Aufhebung der Sanktionen und die Anerkennung seines Rechts auf Urananreicherung. Die US-Regierung besteht dagegen auf einem vollständigen Stopp des Atomprogramms. Eine Einigung entspräche der Quadratur des Kreises. Die Verhandlungen sollen gleichwohl kommenden Donnerstag fortgesetzt werden.
Stiller und weniger preissensibel verhandeln die USA und Indien derzeit über Lieferungen von venezolanischem Öl als Ersatz für russische Importe. Im Rahmen eines neuen Handelsabkommens hat Washington Zollsenkungen für indische Waren an die Bedingung geknüpft, dass Neu-Delhi seine Käufe von russischem Rohöl reduziert. Ein Abschluss des Abkommens könnte zeitnah zustande kommen. Indische Staats- und Privatraffinerien haben bereits größere Mengen venezolanischen Öls bestellt und dazu beigetragen, Russlands Absatz zu schwächen. Die russischen Öl- und Gaseinnahmen im Januar und Februar dürften nach Analystenschätzungen um rund 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr einbrechen. Ursächlich seien der stärkere Rubel, der die in Dollar erzielten Erlöse bei der Umrechnung schmälert, zwischenzeitlich gefallene Weltmarktpreise für Rohöl sowie verschärfte Sanktionen. Zusätzlich muss Russland sein Öl mit Abschlägen verkaufen. Eine Eskalation im Iran mit Preisexplosion am Ölmarkt läge vor diesem Hintergrund sicher im höchsten russischen Interesse.
Ganz so glatt wie sich die Abkehr Indiens von russischem Öl anhört, läuft sie aber nicht. So hat Neu-Delhi die ursprünglich bis 20. Februar befristeten Versicherungsfreigaben für vier russische Versicherer im Seeverkehr um einen Monat verlängert. Dadurch können russische Öllieferungen weiterhin, wenn auch eingeschränkt, versichert und damit nach Indien transportiert werden. Andere russische Versicherer verfügen über Freigaben bis 2029 und 2030. Sie bleiben unabhängig von der aktuellen Verlängerung zugelassen. Darüber hinaus könnte das Zollurteil des Obersten Gerichtshofs der USA den Öl-Deal noch durchkreuzen, da Washingtons Köder eine Zollsenkung ist.
Wie so oft gibt es zu allen Unwägbarkeiten zum Schluss noch eine aus Verbrauchersicht positiv klingende Meldung. Norwegen hat im Januar so viel Rohöl gefördert wie seit über zwei Jahren nicht mehr und damit die Regierungsprognose deutlich übertroffen. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Produktion um über 13 Prozent. Das Land benötigt aufgrund seiner topografischen Bedingungen so gut wie keine fossilen Energieträger. Das Geschäft damit macht es nach intensiver Debatte aber zum Wohl seiner Bevölkerung weiterhin und verlässlich.
An den Ölbörsen wird heute Morgen unterhalb der Freitagskurse gehandelt. Die Rohölnotierungen schwingen dabei seitwärts. Die Gasölnotierungen zieht es schon wieder aufwärts. Insgesamt ist aber kaum etwas anderes als risikobedingt hohe Preise zu erwarten.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 65,80 Dollar und das Barrel Brent zu 71,09 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 726,50 Dollar. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8465 Euro. Damit kostet der Euro 1,1811 Dollar.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise geben sichtbar nach, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie folgen damit den internationalen Vorgaben. Die Bewegung ist angesichts des jüngsten Anstiegs aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Von Ölschwemme und Frieden gibt es weltweit keine Spur. So zieht es auch die Heizölpreise tendenziell aufwärts. Die verschiedenen Zeitansichten der Heizölpreis-Tendenz zeugen von einer großen Unsicherheit zur Lage. Kurzfristig weisen die Trendkanäle jetzt aufwärts, mittelfristig abwärts und längerfristig ebenfalls aufwärts.
Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt ist zurückgegangen. Gleiches gilt für die Hoffnung auf tiefere Preise, die meist der realen Preisentwicklung folgt. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf mittlerem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem sehr schwachen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Wer Sicherheit möchte, sollte zu diesen Preisen kaufen. Wohin sie im Fall eines Waffengangs im Iran steigen können, zeigt die Jahresansicht unserer Heizölpreis-Tendenz auf der Homepage.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
Quelle: esyoil