
Internationaler Markt
Die US-Marine zerstörte gestern nahe der Straße von Hormus 16 iranische Minenlegerboote. Der Ölmarkt beobachtet das sorgenvoll, denn was auf und rund um den schmalen Streifen Wasser zwischen Iran und Oman geschieht, bleibt für den Ölpreis entscheidend. Ob die Boote zuvor bereits Seeminen ausgebracht haben, ist unklar. Das heizt die Unsicherheit an den Märkten weiter an – selbst nach einem Kriegsende würden Minen die Passage durch die wichtigste Ölhandelsroute noch lange extrem gefährlich machen.
Trumps Ankündigung, der Iran-Krieg könne bald beendet werden und Überlegungen der G7-Staaten, strategische Ölreserven freizugeben, hatten die Ölpreise zu Wochenbeginn deutlich gedrückt. Die Preisrallye hat sich damit verlangsamt. Ob das so bleibt, muss sich heute noch zeigen. Am Morgen startete Brent-Rohöl bei 87,50 Dollar je Barrel. Starke Schwankungen sind wahrscheinlich.
Die physische Lage auf dem Ölmarkt ist nach wie vor angespannt. Seit 11 Tagen ist die Straße von Hormus faktisch gesperrt. Rund 15 Millionen Barrel Öl pro Tag können den Persischen Golf nicht verlassen. Wichtige Förderländer müssen ihre Produktion drosseln, weil ihre Lagerkapazitäten an Grenzen stoßen. Saudi-Arabien, Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait sollen inzwischen rund 6,7 Millionen Barrel pro Tag weniger produzieren. Für den Irak als zweitgrößten Produzenten gedeutet das eine Kürzung um fast 60 Prozent.
Die Politik sucht nach Auswegen. So beauftragten die G7-Staaten gestern die Internationale Energieagentur (IEA), einen Plan für eine mögliche Freigabe von strategischen Ölreserven auszuarbeiten. Nach ersten Informationen könnte die IEA eine Freigabe von 300 bis 400 Millionen Barrel vorschlagen. Das wäre eine beachtliche Menge – sie läge mehr als doppelt so hoch wie die angezapften strategischen Reserven zu Beginn des Ukraine-Krieges. Das dürfte das Potenzial mitbringt, die Marktteilnehmer kurzfristig etwas zu beruhigen. Die IEA verfügt mit ihren 32 Mitgliedsstaaten gemeinsam über eine strategische Reserve von mehr als 1,2 Milliarden Barrel Öl. Zusätzlich gibt es rund 600 Millionen Barrel an staatlich regulierten Pflichtreserven bei den privaten Energieunternehmen.
Parallel prüft die US-Regierung Lockerungen von Ölsanktionen gegen Russland, um zusätzliche Mengen auf den Markt zu bringen. In Europa stößt der Gedanke auf wenig Begeisterung. Die EU pocht weiterhin auf die Einhaltung des Preisdeckels für russische Ölexporte.
Währenddessen geht der Krieg im Nahen Osten ungebremst weiter. In den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde gestern die Ruwais-Raffinerie durch Drohnen getroffen und vorläufig abgeschaltet.
Die Gefahren für den Ölmarkt sind noch lange nicht gebannt. Die Lage bleibt unsicher, und die Ölpreise direkt und indirekt abhängig von der Situation rund um die Meerenge am Persischen Golf.
Die Ölpreise orientieren sich heute Morgen aufwärts. Das Barrel der US-Rohölsorte WTI (West Texas Intermediate) steht aktuell bei 85,17 Dollar. Brent kostet 89,55 US-Dollar das Barrel. Eine Tonne Gasöl wird zu 1051,75 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet heute Morgen 0,8615 Euro. Damit ist der Euro für 1,1604 Dollar zu haben.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise sind gestern erstmals seit Beginn des Iran-Kriegs gesunken. Der Rückgang fällt mit rund 15 Euro pro 100 Liter deutlich aus. Dennoch bleibt das Preisniveau hoch. Heute Morgen gibt es kaum Bewegung. Die aktuelle Heizölpreis-Tendenz zeigt einen bundesweiten Durchschnittspreis von 126,90 Euro je 100 Liter bei einer Standardlieferung von 3.000 Litern.
Die Kaufbereitschaft bleibt gering. Wer nicht muss, bestellt jetzt nicht. Die Hoffnung auf niedrigere Preise ist durch den jüngsten Preisrückgang allerdings deutlich erwacht. In der tagesaktuellen Lesereinschätzung erwarten 72 Prozent der Befragten künftig sinkende Preise.
Orientierungshilfe für alle Unentschlossenen: Wer gerade unter Druck steht, seinen Heizöltank füllen zu müssen, dürfte über den Preisrückgang froh sein. Alle anderen sollten mit einer Bestellung noch warten.
Darüber hinaus gilt mehr denn je: Zukunftsfähig werden wir nur, wenn wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln.
Quelle: esyoil