Marktberichte Brennstoffe

Internationaler Markt

Die Lage auf den Ölmärkten bleibt schwer greifbar. Sie wird gleichzeitig auf drei Bühnen dargestellt, die alle vorgeben, dasselbe Stück aufzuführen. Aber die Inhalte unterscheiden sich deutlich.

Da ist zunächst der Iran-Konflikt. Schon seit zwei Wochen verkünden Washington und zahlreiche Medien, dass eine Einigung zwischen Teheran und Washington nur noch wenige Stunden oder eine Unterschrift entfernt sei. Optimismus machte sich auch gestern wieder breit. Angeblich fehlt seit Dienstag nur noch die Unterschrift von US-Präsident Trump. Nach anderen Meldungen hat aber auch der Oberste Führer Khamenei noch nicht unterschrieben, wobei mittlerweile unklar ist, wer im Iran derzeit das Sagen hat, vor allem in der Region vor der Straße von Hormus. Zwischendurch kommt es immer wieder zu einem militärischen Schlagabtausch, aber das scheint niemand mehr zu stören.

In der zweiten Ölwelt befinden sich offenbar die Ölpreise. Sie fallen bereits seit vier Wochen. Brent-Rohöl kostet am heutigen Morgen nur noch 92 Dollar je Barrel. Im Februar, also vor dem Irankrieg, lag der Preis für Rohöl bei durchschnittlich 70 Dollar, also nicht sehr weit darunter. Jede neue Meldung über angebliche Fortschritte bei den Verhandlungen lässt die Preise an den Ölbörsen fallen, aber ebenso regelmäßige Dementis werden ignoriert.

Die unerwartet niedrigen Ölpreise entlasten zwar die Ölverbraucher, wiegen sie aber auch in falsche Sicherheit. Aktuelle Zahlen zeigen, dass die Ölnachfrage z.B. in den USA hoch bleibt, da die Preissignale fehlen, die eine mögliche Verknappung anzeigen.

In der realen Welt der Ölbarrel und Öltanker kann die Versorgung weiterhin nur auf Kosten eines rapiden Lagerabbaus aufrechterhalten werden. Nach dem Rekordschwund in der letzten Woche zeigte der neue Wochenbericht zum amerikanischen Ölmarkt gestern dieselbe Tendenz.

Die staatlichen Ölreserven sanken im Vergleich zur Vorwoche um 9,1 Mio. Barrel. Die Raffinerien arbeiteten mit voller Auslastung. Trotzdem schrumpften die gewerblichen Lagerbestände, da die USA durch hohe Exporte derzeit einen Teil des Weltmarktes mitversorgen müssen. Bei den Rohöllagern ging es um 3,3 Mio. Barrel abwärts, bei den Hauptprodukten um 4,7 Mio. Barrel.

Hier die Zahlen des US-Energieministeriums (DOE) und die Umfragewerte des Branchenverbandes der Ölindustrie (API). Sie zeigen die Veränderungen der Lagerbestände im Vergleich zur Vorwoche:

∙ Rohöl: -3,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,8 Mio. Barrel (API)
∙ Heizöl und Diesel: -2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,1 Mio. Barrel (API)
∙ Benzin: -2,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,2 Mio. Barrel (API)
∙ SPR-Rohöl (Staatliche Ölreserven der USA): -9,1 Mio. Barrel (DOE)

Öl bleibt also knapp und wird Tag für Tag knapper, da die Straße von Hormus nach wie vor blockiert ist. Trotzdem fallen die Ölpreise.Brent-Rohöl kostet kurz nach Börseneröffnung 92,48 US-Dollar je Barrel Die US-Rohölsorte WTI steht bei 87,50 US-Dollar je Barrel . Rotterdamer Gasoil wird zu 1014,50 Dollar je Tonne gehandelt . Der US-Dollar ist 0,8581 Euro wert . Der Euro steht bei 1,1650 Dollar .

Nationaler Markt

Auch die Heizölpreise geben heute nach. Der verbraucherfreundliche Preistrend der letzten zwei Monate setzt sich damit fort. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen landesweiten Durchschnittspreis von nur noch 116 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter).

Ähnlich wie im Rohölmarkt schrumpft der Abstand zu den Vorkriegspreisen. Im Februar kostete Heizöl um die 93 Euro je 100 Liter. Die Zahl der Bestellungen ist jetzt wieder auf einem durchschnittlichen Niveau. Auch das mathematische Tiefpreis-System rät aktuell zum Heizölkauf.

Nach der starken Kaufzurückhaltung in den letzten drei Monaten könnte das Interesse aber noch deutlich höher sein. „Da geht noch mehr“ sagen sich offenbar viele Haushalte. Die tägliche Lesereinschätzung bestätigt das. Drei von vier Stimmen erwarten sinkende Heizölpreise.

Die Preisoptimisten lagen in den letzten Wochen auf der richtigen Seite. Die Ölpreise fallen, obwohl sich die Versorgungslage weiter zuspitzt und der Konflikt am Persischen Golf ungelöst bleibt. Die Gelegenheit ist günstig: Wer vor einem leeren Tank steht, kann sich in diesen Tagen zu unerwartet niedrigen Preisen mit Heizöl versorgen.

Trotzdem gilt nach wie vor: Nichts ist billiger und klimaschonender als Heizöl, das nicht verbraucht wird. Reduzieren Sie Ihren Heizölbedarf und überdenken Sie Ihre aktuelle Heizlösung. Die Verbraucherzentralen halten Tipps und Empfehlungen bereit.

Quelle: esyoil