Marktberichte Brennstoffe

Internationaler Markt

Die Ölpreise sind in der letzten Woche in einen lockeren Schlafmodus übergegangen. Man kann ihn den morgen anstehenden Zwischenwahlen in den USA zuschreiben, vor denen der Präsident seinen Bürgern keine geopolitischen Patzer mehr zumuten möchte. Gleichzeitig stand die Befürchtung im Raum, dass er seinem Frust umgehend nach den Wahlen freien militärischen Lauf lassen würde. So verabschiedeten sich die Notierungen letzten Freitag mit folgenden Preisaufschlägen gegenüber dem letzten Abend (27.02.2026) vor dem Angriff auf den Iran aus dem Handel.

Rohöl Brent (Europa): +62 Prozent
Rohöl WTI (West Texas Intermediate): +55 Prozent
Gasoil (Vorprodukt für Heizöl und Diesel in Europa): +96 Prozent
Heating Oil (USA): +82 Prozent

Die weiteren gängigen Energieträger geraten in Europa mittlerweile sogar noch stärker unter Kriegseinfluss als das Öl. Hier gab es Freitagabend folgende Preisaufschläge gegenüber dem 27.02.2026.

Erdgas (Europa): +228 Prozent
Erdgas (USA): +1 Prozent
Strom (Deutschland): +208 Prozent

Es handelt sich hierbei um die Börsenpreise des Großhandels. Sie sind beileibe noch nicht vollständig in die Verbraucherpreise geflossen, da diese üblicherweise in Jahresverträgen angeboten werden. Die Preise solcher Verträge werden von den Anbietern entsprechend der Laufzeit mit Terminkontrakten abgesichert. Die Börsenpreise geben allerdings einen Eindruck von dem, was Verbraucher zukünftig erwartet.

Der Anstieg der Gaspreise ist eine Folge der im Vergleich zum Öl geringen Diversifizierung des Angebots. Das meiste Gas wird über Pipelines geführt und ist damit nur aus einzelnen Quellen verfügbar. Diversifizierung kommt erst mit dem Flüssiggas ins Spiel, das schiffbar ist. Es gibt weltweit allerdings viel weniger Flüssiggasterminals als Ölterminals. Hinzu kommt, dass Katar als einer der drei größten Flüssiggasanbieter der Welt stark von den Kriegshandlungen im Nahen Osten betroffen ist. 17 Prozent der Erzeugungsanlagen wurden zerstört und die Flüssiggastransporte aus der Region unterliegen den gleichen Unwägbarkeiten wie die Öltransporte.

Die Strompreise sind massiv von den Gaspreisen beeinflusst, da die Gaskraftwerke das Backup für die erneuerbaren Energien sind. Der Stromhandel ist gesetzlich so konstruiert, dass das teuerste laufende Kraftwerk im System den Systempreis bestimmt. In sonnen- und windschwachen Zeiten werden die Preise dadurch außerordentlich stark angehoben.

Die Ölpreise geben zum Handelsauftakt der neuen Woche deutlich nach, wie die aktualisierte Aufschlagstabelle gegenüber dem 27.02.2026 zeigt.

Rohöl Brent (Europa): +52 Prozent
Rohöl WTI (West Texas Intermediate): +50 Prozent
Gasoil (Vorprodukt für Heizöl und Diesel in Europa): +91 Prozent
Heating Oil (USA): +74 Prozent

Dieser Umstand ist einer vagen Zurückhaltung des US-Präsidenten im Hinblick auf den Iran zu verdanken. Er würde vor einer erneuten militärischen Eskalation gern den diplomatischen Weg ausprobieren. So jedenfalls soll er es seinem israelischen Amtskollegen Netanjahu mitgeteilt haben, der ihn bereits wieder zum Bombardieren überreden wollte.

Die Börsen der weiteren gängigen Energieträger reagierten noch nicht wie die Ölbörsen. Das wird vermutlich auch nicht geschehen. Der Iran-Krieg hat am Ölmarkt vor allem einen unmittelbaren Preisschock zu Kriegsbeginn ausgelöst, bei dem die Höchstpreise aufgrund der möglichen Angebotsausfälle markiert wurden. Die folgende Realität ließ bisher nichts schlimmeres vermuten. Am europäischen Gasmarkt sorgt man sich indes angesichts des nun bevorstehenden Winters weit stärker vor den Folgen des Gasmangels als im März dieses Jahres. Im Gegensatz zum Öl, das ganzjährig Konjunktur hat, ist Gas deutlich mehr ein Saisonprodukt. Das gilt auch für den elektrischen Strom, der im Sommer mit sehr hohen Sonnenanteilen erzeugt werden kann, im Winter aber stark vom Gaspreis abhängig ist.

An den Ölbörsen erkennen wir zur Stunde einen fortgesetzten Preisrückgang, den die Rohölnotierungen etwas stärker ausführen als die Gasölnotierungen.

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 99,70 Dollar und das Barrel Brent zu 108,84 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.425,75 Dollar. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8899 Euro. Damit kostet der Euro 1,1236 Dollar.

Nationaler Markt

Die Heizölpreise geben wieder einmal nach, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie folgen damit den internationalen Vorgaben und einer seit zwei Wochen beobachtbaren Seitwärtsbewegung. Das ändert nichts an der Tatsache, dass sie in allen kaufrelevanten Zeitbereichen tendenziell aufwärtsstreben. Angesichts der geopolitischen Umstände gibt es wenig Anlass, ein anderes Verhalten zu erwarten.

Hinsichtlich der Frachtkosten auf dem Rhein gibt es leider auch keine nennenswerten Fortschritte. Die Pegel der Wasserstraße steigen kaum. Damit ist keine Steigerung des Frachtraums möglich. Die Aufschläge für die meisten Zielhäfen liegen deshalb weiter jenseits von 200 Prozent.

Im Binnenmarkt zeigt sich die Nachfrage mittlerweile saisontypisch. Das Angebot ist im Großen und Ganzen ausreichend vorhanden. Partielle Versorgungsprobleme sind allerdings möglich. Die Hoffnung auf fallende Preise bleibt ein scheues Gefühl. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf hohem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem ganz schwachen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.

Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Ein Ende des hohen Preisniveaus ist nicht in Sicht. Wer Heizöl kaufen muss oder möchte, sollte sich für den Kauf einer Teilmenge entscheiden, um im Verlauf des kommenden Jahres hoffentlich günstiger ordern zu können.

Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

Quelle: esyoil