
Internationaler Markt
Gasöl, das Vorprodukt für Heizöl und Diesel, ist seit Unterzeichnung des vorläufigen Abkommens zwischen USA und Iran etwas teurer geworden, während Rohöl der Sorte Brent sehr ansehnlich nachgab. Mit etwas Wohlwollen kann man den Gasölpreisen gerade noch einen Seitwärtstrend antragen. Der Abwärtstrend der Rohölpreise ist dagegen bar jeden Zweifels. Hierin spiegelt sich die Öffnung der Straße von Hormus.
Die Wiederaufnahme der Öltransporte durch die Meerenge hat in erster Linie das Risiko für die globale Rohölversorgung reduziert. Der Gasölpreis wird jedoch stärker durch die globale Versorgungslage bei Diesel und Heizöl bestimmt. Solange diese Mitteldestillate knapp bleiben und die Raffineriemargen hoch sind, kann Gasöl deutlich teurer bleiben als Rohöl. Erst wenn sich auch die Dieselversorgung entspannt oder die Nachfrage nachlässt, dürfte der Gasölpreis dem Rohölpreis stärker nach unten folgen. Die weltweite Raffinerieverarbeitung ist in 2026 um rund drei Prozent gesunken. Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) sollte sich diese Situation in 2027 wieder bessern. Am Gasölmarkt wirkt der Ukraine-Krieg mit den stetigen Angriffen auf russische Raffinerien stärker als der Iran-Krieg.
Die Rohölproduktion im Nahen Osten erholt sich nach der Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA hingegen schneller als erwartet und könnte bis Jahresende wieder das Vorkriegsniveau erreichen. Besonders der Iran, Kuwait und Saudi-Arabien steigern ihre Förderung deutlich. Voraussetzung für die weitere Erholung sind eine offene Straße von Hormus und eine Verlängerung der Ausnahmeregelungen bei den US-Sanktionen gegen den Iran. Das Wirrwarr um die Verhandlung eines endgültigen Abkommens wird geflissentlich ausgeblendet.
Ob es in dieser Woche zu neuen Gesprächen der Kontrahenten kommt, ist ungewiss. Zwar berichteten Medien über geplante Verhandlungen in Doha, doch der iranische Vizeaußenminister dementierte dies. Bestätigt wurden lediglich Gespräche mit dem Oman über die künftige Regulierung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus. Unterschiedliche Aussagen aus Teheran und Washington erschweren eine Einschätzung des tatsächlichen Verhandlungsstands. Trotz gestiegener Risiken durch die jüngsten Spannungen und Angriffe in der Straße von Hormus reagiert der Ölmarkt bislang gelassen.
Die Analysten des Investmenthauses Morgan Stanley haben ihre Preisprognosen für die europäische Rohölsorte Brent sogar erneut gesenkt. Sie erwarten für die zweite Jahreshälfte 2026 im Durchschnitt nur noch 75 Dollar pro Barrel. Als Gründe nennen sie die schnelle Erholung der Öllieferungen vom Persischen Golf, eine schwache Nachfrage aus China und ein hohes US-Angebot. Dadurch dürfte der Ölmarkt in den kommenden Quartalen wieder in einen Angebotsüberschuss geraten.
Just nach diesem Augenblick sorgen besser als erwartete Einkaufsmanagerindizes aus China für Zuversicht unter Brokern und Volkswirten. Sie deuten auf eine stärkere wirtschaftliche Dynamik hin und stellen die chinesische Nachfrageschwäche in Frage. Experten betonen allerdings, dass die Erholung bislang vor allem von Exporten und dem KI-Sektor getragen wird.
Es ist gut möglich, dass sich der Abwärtstrend der Rohölpreise nun auch abschwächt. An den Börsen bewegen sich die Ölnotierungen heute immerhin nicht mehr abwärts. Sowohl Rohöl als auch Gasöl schwingen innerhalb der gestrigen Handelsspanne auf und ab.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 70,25 Dollar und das Barrel Brent zu 72,49 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 902,00 Dollar . Der US-Dollar kostet aktuell 0,8771 Euro . Damit kostet der Euro 1,1399 Dollar.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise bewegen sich kaum, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie folgen damit den internationalen Vorgaben und ihren eigenen Trendkanälen. Positiv anzumerken ist, dass der 6-Monats-Trend gerade von aufwärts zu abwärts wechselt. Das schürt natürlich die Hoffnung auf fallende Preise. Angesichts der geopolitischen Unsicherheit kann sich das Blatt allerdings schnell wieder in die andere Richtung wenden.
Im Binnenmarkt ist das Kundeninteresse an Heizöl etwas gestiegen. Die Hoffnung auf bessere Preise ist hingegen nicht mehr berauschend. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf mittlerem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem gewöhnlichen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Das vollständige Ende des erhöhten Preisniveaus ist noch nicht in Sicht. Wer Heizöl kaufen muss oder möchte, kann sich auf alle Fälle gegen das Volltanken entscheiden und dann entspannt deutlich tieferen Preisen entgegensehen.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
Quelle: esyoil