
Internationaler Markt
Die Ölbörsen haben die Eskalation am Persischen Golf offenbar gut verdaut. Die Preise für die Marke Brent sinken heute unter 76 Dollar je Barrel. Sie liegen jetzt nur noch wenige Dollar über dem Preistief der letzten Woche.
Die entspannte Stimmung passt allerdings nicht zur realen Lage. Der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus steht nach wie vor still. Es soll zwar indirekte Gespräche zwischen Washington und Teheran geben, aber die konnten auch die letzten Angriffe auf den Schiffsverkehr nicht verhindern. In den letzten 24 Stunden gab es neue Angriffe von beiden Seiten.
Immerhin konnten in den letzten Wochen fast alle im Golf gefangenen Öltanker die Region verlassen. Sie werden die Absatzmärkte in Europa und Asien in den nächsten Wochen versorgen. Aber da keine Tanker in die Region zurückkehren, wird die Region anschließend wieder vom Weltmarkt abgeschnitten sein.
Aber viele Händler im Ölmarkt setzen darauf, dass in den nächsten Tagen eine diplomatische Lösung gefunden wird, die den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wieder in Gang bringt. Weniger zuversichtlich geht es im Gasmarkt zu. Qatar hat den Neustart seiner großen Exportanlagen für flüssiges Erdgas (LNG) wieder gestoppt, nachdem ein LNG-Tanker durch iranische Angriffe beschädigt worden war. Die Gaspreise reagierten weltweit mit einem Sprung nach oben.
Sorgenfalten gibt es auch in den Märkten für Benzin und Diesel/Heizöl. Auf beiden Seiten des Atlantiks nutzen die Raffinerien die Gunst der Stunde und bringen ihre Gewinnmargen auf Rekordhöhen. Der Einbruch der Dieselexporte aus Russland, der Abbau der weltweiten Lagerbestände in den letzten Monaten und der mögliche Ausfall der Produktexporte vom Persischen Golf machen die Märkte nervös.
Dabei ist die Lage von Region zu Region sehr unterschiedlich. Länder wie Deutschland können ihren Benzin- und Dieselbedarf durch die inländischen Raffinerien decken. Da es keinen Mangel an Rohöl gibt, also den Rohstoff der Raffinerien, müsste es hier auch keinen Mangel an Ölprodukten geben. Doch in weniger gut versorgten Regionen sind die Preise höher. Also exportieren die Raffinerien ihre Produkte dorthin, was dann auch hierzulande die Preise mit nach oben zieht.
Die hohen Diesel- und Benzinpreise treffen viele Länder zur Unzeit. In der Landwirtschaft wird jetzt für die Erntesaison Dieselkraftstoff eingekauft. Gleichzeitig läuft die Urlaubssaison an, was die Benzinnachfrage steigen lässt. Anders als zu Beginn der Krise im März sind die Vorräte aber mittlerweile knapper geworden.
Die nach wie vor niedrigen Preise im Rohölmarkt zeigen daher nicht die ganze Wahrheit. Der Ölhandel muss darauf hoffen, dass sich die Lage am Persischen Golf wieder entspannt. In wenigen Minuten veröffentlicht die Internationale Energieagentur (IEA) ihren neuen Monatsbericht. Er könnte neue Impulse geben.
Die Preise geben im Moment weiter nach. Brent-Rohöl kostet 75,63 US-Dollar je Barrel Die US-Rohölsorte WTI steht bei 71,42 US-Dollar je Barrel Rotterdamer Gasoil wird zu 1022,75 Dollar je Tonne gehandelt Der US-Dollar ist 0,8739 Euro wert . Der Euro steht bei 1,1440 Dollar .
Nationaler Markt
Die Heizölpreise folgen dem Optimismus im Rohölmarkt und geben ebenfalls nach. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen landesweiten Durchschnittspreis von 120 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Das sind zwei Euro weniger als gestern um diese Uhrzeit.
Der Heizölmarkt hat sich nach einer ersten Schreckreaktion wieder beruhigt. Die Zahl der Bestellungen ist relativ gering. Die Kaufbereitschaft steht auf einem mittleren Niveau. Das gilt auch für die täglich ermittelte Lesereinschätzung. Die Stimmenverteilung zeigt, dass sich Optimismus und Pessimismus die Waage halten.
Fazit: Da in Deutschland bereits die nächste Hitzewelle anrollt, werden viele Haushalte den Gedanken an Heizöl wohl erst einmal wieder auf die lange Bank schieben. Trotzdem könnte es sich lohnen, die Preisentwicklung in diesen Wochen aufmerksam zu verfolgen. Trotz der ungelösten Krise am Persischen Golf war es in den letzten Wochen richtig, die Kaufentscheidung zu verschieben. Aber die Lage bleibt unübersichtlich. Was im Frühsommer richtig war, muss nicht auch für den Spätsommer gelten.
Quelle: esyoil