
Internationaler Markt
Die Einschränkungen des Tankerverkehrs durch die Straße von Hormus stellt das Hauptproblem für die Störung des Ölmarkts im Nahen Osten dar. Der Sachverhalt wurde im gestrigen Marktkommentar vertieft. Es ist aber nicht das einzige Problem, das die Ölstaaten der Region haben. Weil Lagerkapazitäten begrenzt sind und zeitweise deutlich weniger Öl verschifft werden konnte, mussten die Produzten große Teile ihrer Förderung drosseln oder vollständig einstellen.
Das birgt technische Risiken. Ein erheblicher Teil der Produktion stammt aus alten, ausgereiften Ölfeldern. Um dort den Druck aufrechtzuerhalten und das Öl zu den Förderbohrungen zu treiben, wird häufig Wasser in die Lagerstätten injiziert. Werden Förderung und Druckmanagement abrupt unterbrochen, können sich Druckverhältnisse und Flüssigkeitsverteilung verändern. Dadurch kann das Wiederanfahren schwieriger und teurer werden. Im ungünstigen Fall erreicht ein Feld nicht mehr seine frühere Förderleistung.
Aus einem vorübergehenden Transportproblem kann somit ein längerfristiges Förderproblem entstehen. Besonders gefährdet sind Irak und Kuwait, die am nördlichen Ende des Persischen Golfs ohne eine funktionierende Wasserstraße gefangen sind.
Die bisherigen Erfahrungen erweisen sich allerdings als nicht so dramatisch wie befürchtet. Vor dem Konflikt förderte Kuwait rund 2,6 Mio. Barrel Rohöl pro Tag. Der Irak förderte etwa 4,3 Mio. Barrel täglich. Im Frühjahr sank die Produktion zeitweise drastisch. Nach Daten der Internationalen Energie Agentur (IEA) produzierte die beiden Länder im Mai nur rund 0,7 bzw. 1,5 Mio. Barrel täglich. Als sich die Exportmöglichkeiten verbesserten, konnten beide Länder ihre Förderung wieder deutlich erhöhen. Im Juni stieg sie im Kuwait auf rund 1,4 Mio. Barrel und im Irak auf knapp 2 Mio. Barrel pro Tag an. Im Juli setzte sich die Erholung fort.
Die befürchteten großflächigen dauerhaften Schäden an den Lagerstätten haben sich damit bislang nicht bestätigt. Erhebliche Teile der stillgelegten Kapazitäten lassen sich offenbar wieder aktivieren. Ob sämtliche älteren Felder problemlos ihr früheres Produktionsniveau erreichen, ist damit jedoch noch nicht geklärt. Zudem bleibt die Erholung fragil. Werden die Exporte erneut eingeschränkt, füllen sich die Lager und die Produzenten müssen ihre Förderung wieder reduzieren. Es droht ein wiederholtes Hoch- und Herunterfahren, das speziell für ältere Lagerstätten alles andere als ein idealer Betriebszustand ist.
Das strukturelle Problem ist auch in diesem Fall der Transport. Alternative Exportwege sind entscheidend für die Lösung. Solange Irak und Kuwait ihr Öl fast ausschließlich durch die Straße von Hormus exportieren müssen, können Störungen der Meerenge unmittelbar zu Produktionskürzungen führen.
Der Irak verfügt mit der Pipeline zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan zumindest über eine Alternative. Ihre Nutzung soll ausgebaut werden. Weitere Pipelineprojekte sind geplant. Kuwait befindet sich in einer schwierigeren Lage. Das Land besitzt bislang keine vergleichbare externe Rohölpipeline. Eine dauerhafte Absicherung würde daher neue Verbindungen zu regionalen Pipelinenetzen oder andere Exportkorridore erfordern. Die Krise macht deutlich, dass alternative Transportwege nicht nur den Ölexport sichern, sondern auch vor ungewollter Stilllegung von Ölfeldern und damit vor der Gefahr des Verlusts der Förderfähigkeit schützen.
Die erwähnte Verbesserung der Situation brachte zwar positive Erkenntnisse aber keinen dauerhaften Erfolg. Mittlerweile befinden sich USA und Iran wieder in einer gefährlichen Eskalationsphase, in der die Angriffe auf den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus erneut zunehmen. Vor dem Hintergrund der Gespräche zwischen Oman und Iran über eine gemeinsame Kontrolle der Meerenge droht US-Präsident Trump dem Verbündeten nun sogar mit Bombenangriffen, wenn er die US-Blockade iranischer Schiffe behindern sollte. Diese Blockade bezeichnet er als erfolgreich und gibt an, sie ohne festen Endtermin fortsetzen zu wollen. Überhaupt habe er auch keine Eile mehr, den Nahostkonflikt zu beenden.
Mit Antritt seiner zweiten Amtszeit wollte dieser Mann dem Ölmarkt unter der Parole „Drill Baby Drill“ eigentlich einen x-ten Frühling verschaffen. De facto erweist er sich aber als durchtriebener Förderer einer alternativen Energiepolitik. Seine Mittel dazu sind ebenfalls außerordentlich alternativ.
Vielleicht hatte er auch nur kein Glück. Jetzt kommt auf alle Fälle Pech dazu. Ein Blitzeinschlag hat in einem wichtigen Kraftstoffdepot in Oklahoma drei mit Rohbenzin gefüllte Lagertanks in Brand gesetzt. Das Depot mit einer Kapazität von rund 3,4 Mio. Barrel ist ein zentraler Knotenpunkt des Explorer-Pipeline-Systems, das Kraftstoffe von Texas bis ins US-Landesinnere und nach Chicago transportiert. Wegen des Feuers wurden die Ein- und Auslieferungen am Standort vorübergehend gestoppt, während das übrige Pipeline-System und die angeschlossene Wood-River-Raffinerie laut Betreibern nicht beeinträchtigt wurden. Sorgen vor kurzfristigen Versorgungsengpässen ließen die Preise für Kraftstoffkontrakte steigen, auch die für Gasöl.
An den Börsen legten die Ölnotierungen gestern ordentlich zu. Heute Morgen halten sie das hohe Niveau. Gasöl gewann dabei wieder einmal stärker an Wert als Rohöl.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 85,12 Dollar und das Barrel Brent zu 91,09 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.296,25 Dollar Der US-Dollar kostet aktuell 0,8636 Euro . Damit kostet der Euro 1,1577 Dollar.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise drehen wieder aufwärts, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie geben damit die Vorgaben des internationalen Markts nachvollziehbar wieder. Die Konstellation der Preistrends bleibt unangetastet. In den verschiedenen Zeitbereichen dominieren Aufwärtskanäle eindeutig die kaufrelevanten Perioden. Angesichts der geopolitischen Umstände ist kaum etwas anderes zu erwarten.
Viele Wasserstände auf dem Rhein haben in der letzten Woche 60-Jahre-Tiefs erreicht. Mittlerweile macht sich aber etwas Entspannung aufgrund der jüngsten Regenfälle bemerkbar. Das führt zu neuer Nachfrage nach Transportkapazitäten. Sie treibt die Frachtraten erneut aufwärts. Die Differenz zur letzten Woche ist allerding relativ gering, weil das Niveau bereits sehr hoch ist.
Im Binnenmarkt gibt es ein moderates Kundeninteresse an Heizöl. Die Hoffnung auf bessere Preise ist zurückhaltend. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf mittlerem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem unterdurchschnittlichen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Vom Ende des erhöhten Preisniveaus kann man derzeit nur träumen. Wer Heizöl kaufen muss oder möchte, sollte sich für den Kauf einer Teilmenge entscheiden und dann entspannt auf deutlich tiefere Preise warten.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
Quelle: esyoil