
Internationaler Markt
Die Ölpreise gaben gestern in einem turbulenten Handelstag deutlich nach. Brent-Rohöl fiel am Nachmittag von 109 auf 103 Dollar je Barrel, erholte sich dann aber wieder. Heute kostet Rohöl um die 106 Dollar je Barrel.
Wenige Minuten vor der Veröffentlichung der wöchentlichen Lagerdaten für die USA meldeten pakistanische Quellen, dass eine Einigung zwischen Teheran und Washington unmittelbar bevorstehe. Zahlreiche nervöse Trader verkauften daraufhin sofort ihre Ölpreiswetten. Wenig später gab es von US-Präsident Trump eine ähnliche Einschätzung. Daraufhin brachen die Ölpreise um über fünf Prozent ein.
Vorsichtigere Stimmen, die auf die wiederholte Unzuverlässigkeit pakistanischer Nachrichtenquellen verwiesen, konnten die Verkaufswelle nicht stoppen. Trump widersprach sich selbst in den folgenden Minuten gleich mehrfach, so dass auch hier nur Konfusion übrig blieb. In den kommenden Stunden wurde klar, dass die Verhandlungen unverändert in einer Sackgasse feststecken.
Im hektischen Börsenhandel ging dann die Veröffentlichung der eigentlich mit Spannung erwarteten Lagerdaten völlig unter. Schon unter normalen Umständen hätte der gemeldete Rückgang der gewerblichen Rohölvorräte um 7,9 Mio. Barrel hohe Wellen geschlagen. Aber dieses Mal wurden zusätzlich 9,9 Mio. Barrel aus der staatlichen Ölreserve auf den Markt geworfen. Insgesamt wurde daraus der stärkste wöchentliche Lagerabbau in der Ölgeschichte der USA.
Hier die Zahlen des US-Energieministeriums (DOE) und die Umfragewerte des Branchenverbandes der Ölindustrie (API). Sie zeigen die Veränderungen der Lagerbestände im Vergleich zur Vorwoche:
∙ Rohöl: -7,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -9,1 Mio. Barrel (API)
∙ Heizöl und Diesel: +0,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,0 Mio. Barrel (API)
∙ Benzin: -1,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -5,8 Mio. Barrel (API)
∙ SPR-Rohöl (Staatliche Ölreserven der USA): -9,9 Mio. Barrel (DOE)
Die Raffinerien in den USA arbeiten mit voller Auslastung, um möglichst viele Ölprodukte exportieren zu können. In Europa und Asien können sie im Moment höhere Preise erzielen als im Heimatmarkt. Doch selbst dieses zusätzliche Angebot reicht nicht aus, um den globalen Lagerabbau zu stoppen, der durch die Sperrung der Straße von Hormus ausgelöst wurde.
Die Investmentbank Goldman Sachs meldete sich erneut mit einer Warnung zu Wort. Der globale Abbau der Ölvorräte hat sich demnach im Mai beschleunigt. Jeden Tag schrumpfen die Reserven um 8,7 Mio. Barrel, so die Analysten der Bank. Doppelt so schnell wie im April.
Noch profitiert der Ölmarkt von den überdurchschnittlich hohen Lagerbeständen aus der Vorkriegszeit. Auch die US-Exporte und die niedrigen Ölimporte Chinas entspannen die Lage im Moment. Doch das wird sich bald ändern, warnen die Banker. In den USA sind die Benzinlager mittlerweile stark geschrumpft. Wenige Wochen vor der sommerlichen „Driving Season“ werden US-Raffinerien daher schon bald wieder den eigenen Markt versorgen – auf Kosten der Exporte Richtung Europa und Asien.
Die Ölbörsen lassen sich heute jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Kurz nach Börsenstart kostet Brent-Rohöl 106,47 US-Dollar je Barrel . Die US-Rohölsorte WTI steht bei 99,66 US-Dollar je Barrel . Rotterdamer Gasoil wird zu 1.162,75 Dollar je Tonne gehandelt . Der US-Dollar ist 0,8620 Euro wert . Der Euro steht bei 1,1600 Dollar.
Nationaler Markt
Auch die Heizölpreise geben heute nach. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt einen landesweiten Durchschnittspreis von 125 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Das sind immerhin zwei Euro weniger als gestern Vormittag. Insgesamt sind die Preisbewegungen jedoch überschaubar. Schon seit zwei Wochen bleibt der Heizölpreis in einem Preisband zwischen 125 und 128 Euro.
Ähnlich ruhig ist der Heizölmarkt. Die Zahl der Bestellungen liegt seit Anfang März unter dem Durchschnitt. Viele Haushalte hoffen offenbar darauf, dass die Preise wieder fallen, bevor der Tankstand auf Null fällt.
Die tägliche Lesereinschätzung zeigt eine nach wie vor optimistische Preissicht. Im Moment erwarten 70 Prozent der Stimmen fallende Heizölpreise. Das mathematische Tiefpreis-System, das Preistrends auswertet, empfiehlt dagegen, sich schon jetzt wieder mit Heizöl einzudecken.
Was tun? Nur eine uneingeschränkte Öffnung der Straße von Hormus könnte die Ölpreise unter Druck setzen. Doch selbst dann kann es jederzeit wieder zu neuen militärischen Spannungen und Störungen im Tankerverkehr kommen. Der Irankrieg hat die Büchse der Pandora geöffnet: Vermutlich bleiben die niedrigen Heizölpreise vom Januar und Februar in den nächsten Monaten außer Reichweite.
In dieser Situation gilt mehr als zuvor: Nichts ist billiger und klimaschonender als Heizöl, das nicht verbraucht wird. Reduzieren Sie Ihren Heizölbedarf und überdenken Sie Ihre aktuelle Heizlösung. Die Verbraucherzentralen halten Tipps und Empfehlungen bereit.
Quelle: esyoil