
Internationaler Markt
Seit zwei Monaten bewegen sich die Rohölpreise kaum noch von der Stelle. Brent-Rohöl bleibt in einem engen Band zwischen 65 und 70 Dollar je Barrel. Nur Ende Juli gab es einen kurzen Ausreißer nach oben, als Trump härtere Sanktionen gegen Russland angedroht hatte. Heute Morgen kostet das Nordseeöl 67,5 Dollar je Barrel.
Die Verbraucher weltweit sind zufrieden, die Ölproduzenten weniger. Das könnte noch länger so bleiben, denn aus den OPEC-Staaten und anderen Förderländern kommt immer mehr Öl auf die Märkte.
Auch das russische Exportöl fließt ungehindert weiter. Indien will nicht klein begeben und importiert trotz der enorm hohen Strafzölle der USA nach wie vor russisches Rohöl. Ökonomisch macht das wenig Sinn, denn die Zölle schaden der indischen Wirtschaft weitaus mehr als höhere Profite für eine Handvoll von Raffinerien einbringen können. Der indische Regierungschef Modi wähnte sich sicher, da er lange Zeit vom Westen, Russland und zeitweise auch von China umworben wurde. Doch vor den Launen und Irrationalität des US-Präsidenten ist im Moment niemand sicher.
Auch die Angriffe ukrainischer Drohnen auf russische Raffinerien und Pipelines können die russischen Rohölexporte nicht stoppen. Ganz im Gegenteil: Da weniger Rohöl im eigenen Land verarbeitet werden kann, wird es verstärkt exportiert. Nur Ungarn und die Slowakei haben derzeit Probleme, da die Schäden an der Druschba-Pipeline immer wieder die Rohölversorgung stoppen. Nach der jahrelangen Blockadepolitik Orbans in der EU haben Ungarns europäische Nachbarn jetzt keine Eile, Budapest aus der Bredouille zu helfen.
Eine Momentaufnahme des amerikanischen Ölmarktes zeigte gestern fallende Lagerbestände. Ob Rohöl, Heizöl/Diesel oder Benzin – überall schrumpfen die Vorräte in den Tanklagern. Vor allem die Nachfrage nach Benzin ist hoch. In wenigen Tagen beginnt das verlängerte Wochenende rund um den Labor Day. Es markiert den Höhe- und Endpunkt der „Driving Season“ in den USA.
Hier die Zahlen des amerikanischen Energieministeriums (DOE) und die Umfragewerte des Branchenverbandes der Ölindustrie (API). Sie zeigen die Veränderungen im Vergleich zur Vorwoche:
∙ Rohöl: -2,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,0 Mio. Barrel (API)
∙ Heizöl und Diesel: -1,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,5 Mio. Barrel (API)
∙ Benzin: -1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,1 Mio. Barrel (API)
Aber die Ölbörsen zuckten nur mit den Schultern. Die US-Zahlen können das Gesamtbild nicht verändern. Immer mehr Spekulanten lösen ihre Wetten auf steigende Ölpreise auf. Die Spekulationsneigung der Hedgefonds ist so niedrig wie seit Jahren nicht mehr.
Brent-Rohöl kostet heute am frühen Morgen 67,50 US-Dollar je Barrel. Die US-Rohölsorte West Texas Intermediate (WTI) steht bei 63,61 US-Dollar je Barrel. Rotterdamer Gasoil notiert bei 670,75 Dollar je Tonne. Der US-Dollar ist 0,8591 Euro wert. Damit steht der Euro bei 1,1636 Dollar.
Nationaler Markt
Auch Heizöl bleibt billig. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen landesweiten Durchschnittspreis von 88,4 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Das liegt nur drei Euro über dem Jahrestief vom Mai.
Das niedrige Preisniveau sorgt dafür, dass die Zahl der Bestellungen über dem Durchschnitt bleibt. Auch das Schwarm-O-Meter, das den Kaufdruck anhand der Zahl der Preisanfragen und Bestellungen misst, zeigt ein starkes Kaufinteresse. Die Verbraucher bleiben optimistisch. Die täglich ermittelte Lesereinschätzung signalisiert, dass mehr Stimmen als üblich mit fallenden Heizölpreisen rechnen.
In der Tat ist im Moment unklar, was die Ölpreise nennenswert nach oben treiben könnte. Weder Sanktionen noch die Aussicht auf fallende Zinsen oder schrumpfende Lagerbestände in den USA bringen die Ölpreise in Bewegung. Wer demnächst für den Winter aufstocken muss, kann das derzeit niedrige Preisniveau nutzen. Wer auf weiter fallende Ölpreise spekulieren will, sollte das Marktgeschehen zeitnah verfolgen.
Dennoch gilt nach wie vor: Nichts ist billiger und klimaschonender als Heizöl, das nicht verbrannt wird. Reduzieren Sie Ihren Verbrauch und überdenken Sie Ihre aktuelle Heizlösung. Die Verbraucherzentralen halten Tipps und Empfehlungen bereit.
Quelle: esyoil