Marktberichte Brennstoffe

Internationaler Markt

Die Ölpreise schwingen weiterhin auf hohem Niveau. Heute stehen die Notierungen wieder da, wo sie bereits letzten Montag standen. Angesichts der Marktstörungen, die selbst im geschichtlichen Kontext als außerordentlich schwerwiegend eingestuft werden, sind die Preisexzesse allerdings erstaunlich moderat. Am Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine schnellte Rohöl Brent beispielsweise auf über 130 Dollar pro Barrel und hielt sich lange über dem Niveau der heutigen Krise. In 2008 erreichte der Brent-Preis sogar 150 Dollar pro Barrel. Damals glaubte man, das Ende der fossilen Ölförderung vor Augen zu haben. Im aktuellen Krisenverlauf stieg Rohöl Brent ein paar Stunden lang über 120 Dollar pro Barrel hinaus. Mittlerweile spielt sich das Preisgeschehen zwischen 90 und 95 Dollar pro Barrel ab. Dabei ist kein trumpesker Gute-Hoffnungs-Bonus mehr eingepreist. Mit einem solchen Bonus wurden Anfang dieses Monats Preise unter 80 Dollar pro Barrel erreicht. Gasöl, das Vorprodukt für Heizöl und Diesel, wird relativ zum Rohöl höher bepreist. Hier spielen zerschossene Raffineriekapazitäten eine zusätzlich preistreibende Rolle.

Die Welt muss mit der von Donald Trump inszenierten Ölkrise umgehen. Das macht sie erstaunlich gut. So haben die Chinesen ihre gewaltigen Ölimporte einstweilen stark gedrosselt und versorgen sich teilweise aus ihren üppig gefüllten Lagern. Dadurch wird die globale Nachfrage an das gesunkene Angebot angepasst. Die Anrainer am Persischen Golf kümmern sich endlich um den Aufbau alternativer Versorgungswege, um die kritische Straße von Hormus zukünftig umgehen zu können. Damit haben sie spät begonnen. Die Gefahr, die in der Meerenge liegt, war lange bekannt. Nicht bekannt war indes die Ohnmacht der USA. Die Wüstenstaaten trifft nun das gleiche Schicksal wie Europa, die Emanzipation von Onkel Sam.

Saudi-Arabien bemüht sich, seine Ölexporte auf beiden wichtigen Transportwegen, durch die Straße von Hormus und über das Rote Meer, zu verbessern. Das ist bitter nötig, denn im gesamten zweiten Quartal lagen sie rund 38 Prozent unter dem ersten Quartal und 41 Prozent unter dem Vorjahresquartal. Um die Ausfälle zumindest teilweise auszugleichen, arbeitet man offenbar mit Reedereien aus Südkorea, Griechenland und Norwegen zusammen. Diese übernehmen unter erhöhtem Risiko Shuttle-Transporte vom saudischen Rotmeerhafen Yanbu nach Ain Sukhna in Ägypten. Von dort wird das Rohöl über Pipelines zum ägyptischen Mittelmeerhafen Sidi Kerir weitergeleitet. Dort können Kunden das Öl übernehmen und für den weiteren Export verschiffen.

Die Route bleibt allerdings eine Notlösung, weil ihre Kapazität gering ist und weil für asiatische Abnehmer erhebliche Umwege entstehen. Das Öl vom Mittelmeer muss zunächst rund um Afrika transportiert werden, bevor es wieder Richtung Indischer Ozean gelangen kann. Deshalb versucht Saudi-Arabien trotz der weiterhin hohen Risiken für Schiffe und Häfen in der Region, seine Exporte durch die Straße von Hormus wieder aufzunehmen.

Andernorts auf der Welt scheint man frei von solchen Problemen zu sein und die Möglichkeiten für den Erfolg der eigenen Ölindustrie zu nutzen. Die Rede ist unter anderem von Venezuela. Seit der Übernahme durch die USA im Januar 2026 wird die Steigerung von Produktion und Export gepreist. Die Erhöhung der Förderung von 0,92 auf 1,12 Mio. Barrel pro Tag im Juli kann sich sehen lassen, ist aber im Vergleich zum Einbruch am Persischen Golf ein Tropfen auf dem heißen Stein. Vollkommen unbefriedigend ist indes der Export. Während Venezuela vor rund 20 Jahren noch mehr als 2,5 Mio. Barrel pro Tag verschiffen konnte, schaffen die Anlagen heute nur etwa die Hälfte. Die begrenzten Kapazitäten führen mittlerweile zu Wartezeiten von teilweise mehr als 30 Tagen für Tanker. Zusätzlich sorgen Stromausfälle und störanfällige Anlagen für Verzögerungen. Eine schnelle Verbesserung ist nicht absehbar, da sich die US-Finanzierungspläne zunächst auf eine Ausweitung der Ölproduktion konzentrieren, während Pipelines und Exportanlagen erst später modernisiert werden sollen.

So wurschtelt man sich am Ölmarkt mit allerhand Gefahren und Unzulänglichkeiten durch und wundert sich, dass am Ende doch genug Heizöl, Diesel und Benzin da ist, wenn man nicht gerade in Russland lebt. Der Preis dafür ist natürlich erhöht. An den Börsen wird heute Morgen daran gesägt. Rohöl- und Gasölnotierungen geben nach.

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 85,66 Dollar und das Barrel Brent zu 93,38 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.287,25 Dollar . Der US-Dollar kostet aktuell 0,8572 Euro. Damit kostet der Euro 1,1664 Dollar.

Nationaler Markt

Die Heizölpreise kommen nicht von der Stelle, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Das passt zu den Vorgaben des internationalen Markts. Die Konstellation der Preistrends bleibt unangetastet. In den verschiedenen Zeitbereichen dominieren Aufwärtskanäle eindeutig die kaufrelevanten Perioden. Angesichts der geopolitischen Umstände ist kaum etwas anderes zu erwarten.

Die starken Regenfälle in den letzten Tagen konnten die Rheinpegel spürbar anheben. So ist der besonders kritisch beobachtete Wasserstand am Pegel Maxau im Vergleich zum letzten Montag um 77 cm gestiegen. Die Frachten sind im Schnitt um 30 Prozent zurückgekommen. Von Normalität sind wir aber noch weit entfernt.

Im Binnenmarkt steigt das Kundeninteresse an Heizöl spürbar. Die Hoffnung auf bessere Preise bleibt zurückhaltend. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf mittlerem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem kümmerlichen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.

Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Vom Ende des erhöhten Preisniveaus kann man derzeit nur träumen. Wer Heizöl kaufen muss oder möchte, sollte sich für den Kauf einer Teilmenge entscheiden, um im kommenden hoffentlich günstiger kaufen zu können.

Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

Quelle: esyoil