
Internationaler Markt
Die USA und Israel haben seit Beginn des Kriegs gegen den Iran tausende von Zielen ins Visier genommen und zerstört. Dabei haben sie sich bemüht, die Energieinfrastruktur des Landes zu verschonen. Die USA beließen es bei der Drohung, auch diese zu attackieren. So geschah es zuletzt auf der Insel Kharg, wo ausschließlich militärische Ziele angegriffen wurden. Die kleine Insel gilt als größtes Offshore-Rohölterminal der Welt und als wichtigster Ölhafen im Iran. Diese Superlative eignen sich hervorragend für trumpeske Drohungen zur verbalen Bearbeitung des Gegners.
Seit gestern erleben Publikum und Akteure den Unterschied zwischen Wort und Tat. Iranischen Angaben zufolge haben die USA und Israel mehrere Energieanlagen am Persischen Golf angegriffen, darunter auch Teile des weltweit größten Erdgasfelds South Pars sowie Öl- und petrochemische Anlagen nahe der Stadt Asaluyeh. Die Produktionen wurden teilweise gestoppt. In einer ersten Reaktion hat der Iran zur Evakuierung wichtiger Öl- und Gasanlagen im Nahen Osten aufgerufen und gleichzeitig mit kurzfristigen Vergeltungsangriffen auf zentrale Energieinfrastruktur in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Katar gedroht. An den Energiebörsen schellten die Kurse in die Höhe. Rohnotierungen für die Sorte Brent kletterten bis zum Abend auf 111,50 Dollar pro Barrel. Gasöl, das Vorprodukt für Heizöl, stieg auf 1.323,00 Dollar pro Tonne, was einer Erhöhung von 75 Prozent gegenüber dem Vorabend des Kriegsbeginns entspricht.
US-Präsident Trump erklärte mittlerweile, dass der Angriff auf das Gasfeld South Pars ausschließlich von Israel durchgeführt wurde und weder die USA noch Katar beteiligt waren. Gleichzeitig betonte er, dass es keine weiteren Angriffe geben werde, solange der Iran nicht Katar erneut angreife. Das war zuvor allerdings schon geschehen. Der Iran hat seiner Drohung umgehend Taten folgen lassen und dabei unter anderem Energieanlagen sowie Katar als wichtigen LNG-Exporteur ins Visier genommen. Dort soll es zu erheblichen Schäden gekommen sein.
Die Eskalation verstärkt die Sorgen an den Märkten, da nun gezielt Energieinfrastruktur angegriffen wird. In Kombination mit möglichen Einschränkungen in der Straße von Hormus drohen längerfristige Versorgungsprobleme. Mit den Angriffen der letzten Stunden ist der schlimmste anzunehmende Fall eingetreten, der in den bisherigen Betrachtungen weitgehend ausgeschlossen war. Demzufolge könnte das bereits hohe Preisniveau lediglich die Ausgangslage für weitere Preissteigerungen erheblichen Ausmaßes sein. Dieser Umstand entsetzt nicht nur Verbraucher hierzulande, er ist wahrscheinlich auch die größte Herausforderung, der sich die amtierende US-Regierung zu stellen hat. Ihre Wähler könnten sie dafür bei den Wahlen im Herbst dieses Jahres böse abstrafen.
Vor diesem Hintergrund verliert die wöchentliche Veröffentlichung der US-Bestandsdaten das Interesse der Börsianer, zumal sie sich weitgehend als Nullsummenspiel erwies. Erheblichen Zunahmen in den Rohöllagern stehen Abnahmen ähnlichen Umfangs in den Produktenlagern gegenüber.
Heute Morgen setzt sich der Aufstieg der Ölpreise an den Börsen fort. Die Notierungen für Rohöl Brent sind seit gestern Früh um 19 Prozent gestiegen, die für Gasöl um 22 Prozent. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Die US-Notierungen kommen etwas glimpflicher davon. Hier macht sich die große Eigenversorgungsquote der USA bemerkbar. Wir Europäer stehen indes mit den meisten anderen Kunden dieser Welt in Konkurrenz.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 98,71 Dollar und das Barrel Brent zu 117,98 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1392,75 Dollar. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8711 Euro. Damit kostet der Euro 1,1475 Dollar.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise steigen wieder einmal sprunghaft, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Damit folgen sie den internationalen Vorgaben. In dieser Situation ist nicht zu vermuten, dass es sich um einen Effekt von Volatilität in einer verunsicherten Welt handeln könnte. Vielmehr ist es ein Effekt nachvollziehbarer Panik. Der Blick auf die Preischarts in den verschiedenen Zeitbereichen weist auch ohne Panik einen hartnäckigen Weg nach oben aus.
Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt ist so gut wie zusammengebrochen. Die Hoffnung auf tiefere Preise folgt der realen Preisentwicklung mit etwas Zeitversatz. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf gerade noch niedrigem Niveau für die Kaufintensität (Tendenz fallend), das andere auf einem Minderheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Freiwillig kauft man in diesen Tagen natürlich kein Heizöl. Es sei aber darauf hingewiesen, dass der Preis weiter steigen dürfte und dass man auf keinen Fall volltanken muss.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
Quelle: esyoil