Marktberichte Brennstoffe

Internationaler Markt

Gasöl, das Vorprodukt für Heizöl und Diesel, befindet sich in einem veritablen Aufwärtstrend, während Rohöl in der letzten Woche in einen Seitwärtstrend überging. Relativ zu den Jahresstartpreisen legt Gasölpreis um 63 Prozent zu. Rohöl der Sorte Brend klettert nur um 20 Prozent. Ein Grund für die Teuerung ist hinlänglich bekannt, die teilweise Schließung der Straße von Hormus durch den Iran. Der für Heizölkäufer bedeutendere Sachverhalt, der zur Überhöhung der Gasölpreise führt, lässt sich dagegen nicht so monokausal begründen. Dahinter steckt ein Bündel von Umständen.

Der Preis für Heizöl, übrigens auch der für Benzin, hängt nicht allein vom Rohöl ab. Rohöl ist lediglich der Ausgangsstoff. Erst in Raffinerien entstehen daraus Heizöl und Kraftstoffe und genau dort liegt derzeit der Engpass.

Seit Monaten werden russische Raffinerien immer wieder Ziel ukrainischer Drohnenangriffe. Dadurch stehen zeitweise erhebliche Verarbeitungskapazitäten nicht zur Verfügung. Zwar ist man auf bestem Weg, wieder hinreichend Rohöl auf den Weltmarkt zu bringen. Die Produktion von Heizöl, Diesel und Benzin ist jedoch eingeschränkt. Entsprechend konkurrieren Abnehmer weltweit um eine kleinere Menge raffinierter Produkte.

Diese Entwicklung zeigt sich in den internationalen Raffineriemargen, den sogenannten Crack Spreads. Sie beschreiben den Preisunterschied zwischen Rohöl und den daraus hergestellten Produkten. Sind Raffinerien der Engpass, steigen diese Margen. Genau das ist derzeit zu beobachten. Gasöl und Gasolin, das sind die wesentlichen Raffinerieprodukte, werden an den internationalen Handelsplätzen deutlich teurer gehandelt als das Rohöl, aus dem sie hergestellt werden.

Für Verbraucher ist dabei ein wichtiger Punkt entscheidend. Die Raffineriemargen werden auf den internationalen Energiemärkten gebildet. Weder deutsche Mineralölhändler noch der heimische Wettbewerb können sie maßgeblich beeinflussen. Die höheren Beschaffungskosten entstehen bereits lange bevor Heizöl oder Kraftstoffe Deutschland erreichen und werden entlang der Lieferkette weitergegeben.

Hinzu kommt die besondere Situation des deutschen Marktes. Zwar verfügt Deutschland über leistungsfähige Raffinerien, ihr Produktionsprofil entspricht jedoch nicht vollständig der heimischen Nachfrage. Hierzulande wird vergleichsweise viel Ottokraftstoff hergestellt, unter anderem für den Export, Mitteldestillate wie Diesel und Heizöl müssen aber seit Jahren importiert werden. Rund ein Drittel des Dieselbedarfs stammt aus dem Ausland. Da Heizöl und Diesel aus derselben Produktgruppe hervorgehen und in den Raffinerien um ähnliche Ausbeuten konkurrieren, wirken sich internationale Angebotsengpässe unmittelbar auf beide Märkte aus. Selbst eine hohe Auslastung deutscher Raffinerien kann diese Lücke daher nur begrenzt schließen.

Es ist die internationale Raffineriesituation, die dazu führt, dass der jüngste Rückgang der Rohölpreise bislang nur teilweise in den Heizöl- und Kraftstoffpreisen ankommt. Solange die Raffineriekapazitäten knapp bleiben und die Margen für raffinierte Produkte hoch sind, wird ein sinkender Rohölpreis allein nicht ausreichen, um die Endverbraucherpreise deutlich nach unten zu drücken.

Für viele Verbraucher mag das überraschend sein, da sich Politik und öffentliche Berichterstattung meist auf den Rohölpreis kaprizieren. Tatsächlich entscheidet derzeit aber weniger der Preis des Ausgangsstoffs als der Wert der daraus hergestellten Produkte. Wer die Entwicklung der Heizöl- und Benzinpreise verstehen möchte, sollte deshalb nicht nur auf den Rohölpreis sondern vor allen Dingen auf die Lage an den internationalen Raffineriemärkten schauen. Dieser Appell richtet sich besonders an das Bundeskartellamt, das nicht müde wird, die Ursachen für unliebsame Preisentwicklungen im Binnenmarkt zu suchen.

Die Börsen sind zum Wochenstart lebhaft in Fahrt. Rohölnotierungen geben ordentlich nach, ohne ihrem letzten Tief zu nahe zu rücken. Gasölnotierungen schwingen etwas moderater um den Höhepunkt des Freitagshandels.

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 68,27 Dollar und das Barrel Brent zu 71,57 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 946,00 Dollar. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8756 Euro . Damit kostet der Euro 1,1419 Dollar.

Nationaler Markt

Die Heizölpreise bewegen sich kaum, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie folgen damit den internationalen Vorgaben und ihren eigenen Trendkanälen. Positiv anzumerken ist, dass die beiden kurzfristigen Trends abwärts zeigen. Das schürt natürlich die Hoffnung auf fallende Preise. Angesichts der geopolitischen Unsicherheit kann sich das Blatt allerdings schnell wieder in die andere Richtung wenden, zumal der 3-Monats-Trend bereits am oberen Rand seines Kanals kratzt.

Im Binnenmarkt ist das Kundeninteresse an Heizöl so gut wie nicht vorhanden. Die Hoffnung auf bessere Preise ist hingegen berauschend. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf niedrigstem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem sehr starken Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.

Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Das vollständige Ende des erhöhten Preisniveaus ist noch fern. Wer Heizöl kaufen muss oder möchte, kann sich auf alle Fälle gegen das Volltanken entscheiden und dann entspannt deutlich tieferen Preisen entgegensehen. Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

Quelle: esyoil